„Es bleibt ihm halt nichts anderes übrig, als sich so eifrig zu bemühen, denn wir sitzen ohne einen Groschen und können nicht einmal bis nach Florenz.“
„So? . . .“ fragte sie, als interessiere sie sich jetzt mehr für unsere Angelegenheit, dabei glitt ihr, dünner Finger dem Fensterrahmen entlang, wo eine verspätete Fliege summte. Nachdem sie eine Weile geschwiegen hatte, wandte sie sich plötzlich den Streitenden zu und sagte mit etwas scharfer, aber klangvoller, reiner Stimme:
„Höret, meine Lieben! Wir sind euch mit Signor Aimé gar nicht für euren Disput dankbar, um so weniger, als er ganz aussichtslos ist. Sie müssen sich damit zufrieden geben, dass das Geld spurlos verschwunden ist, aber wir können darüber beraten, wie Sie unter so traurigen Umständen zu handeln haben. Und mir scheint,“ fuhr sie, die Augen zusammenkneifend, fort: „mir scheint, dass wir vorzüglich zu einem Übereinkommen gelangen können und es ist sogar sehr wahrscheinlich, dass wir dasselbe Ziel im Auge haben, meine Freunde . . .“
Und sie begann ihren Plan zu entwickeln.
Drittes Kapitel
In der Nähe des Ponte Vecchio hatten wir uns eine anständige Wohnung gemietet, gaben uns für zugereiste Venezianer aus und legten uns den Namen der Grafen Gozzi bei. Die alte Buckelige trug den angeblichen Grafentitel mit Würde und wir bemühten uns die liebenswürdigen Cousins der falschen Cousine zu spielen. Signorina Pasqua zeigte sich täglich auf der Promenade, kleidete sich schlicht und befand sich immer in meiner oder François’ Begleitung. Sie machte mit wohlhabend scheinenden Leuten Bekanntschaften, erzählte von ihren Unglücksfällen, von der zeitweilig bedrängten Lage der uralten Familie Gozzi, lud ihre Bekannten zu sich ein, wo sie höflich und bescheiden empfangen wurden. Signorina Pasqua spielte Clavecin und sang Arien und französische Lieder, wir schlugen zur Zerstreuung ein Spielchen vor. François gewann, aber nicht viel, denn er fürchtete, man könnte darüber sprechen und wartete auf eine günstigere Gelegenheit für einen entscheidenden Coup. Wenn einmal neue Bekannte, nicht so sehr durch die Reize, als durch das Mienenspiel und das Getue der gebeugten Jungfrau hingerissen, etwas wagten, so erhob die Buckelige ein Geschrei und wir traten als Beschützer der Unschuld auf, indem wir den Streit durch Waffen zu entscheiden oder den Skandal für Geld niederzuschlagen in Vorschlag brachten, wobei wir mit unseren Verbindungen in Venedig drohten. So lebten wir etwa einen Monat lang. Der Verdienst wurde brüderlich geteilt, Ersparnisse machten wir nicht, aber wir konnten sorglos, ohne uns Vergnügungen zu versagen, leben. Schliesslich verliebte sich in Signorina Pasqua der junge Spaladetti, der Sohn eines jüdischen Goldschmiedes und Wucherers. Seine Schönheit war etwas süsslich, ungeachtet seiner Herkunft, war er freigebig, treu und leidenschaftlich, ausserdem war er, glaub ich, noch unschuldig und hoch von Wuchs. Er begann, der Signorina nach allen Regeln der Kunst mit Blumensträussen, Serenaden, Soupers, Spazierfahrten, Sonetten, Geschenken und Fensterpromenaden den Hof zu machen. Das wusste denn bald auch die ganze Stadt zum grössten Leidwesen des alten Spaladetti und zur Freude unserer lieben Cousine.
Viertes Kapitel
Einmal, als ich mit Pasqua vor den Stadtmauern spazierenging, trafen wir den jungen Giuseppe Spaladetti hoch zu Ross in einem lila Sammetgewande. Als er uns bemerkte, stieg er vom Pferde, übergab dieses seinem berittenen Diener, der ihm folgte, denn der Sohn des Wucherers war bestrebt, ein vornehmes Leben zu führen und für einen Stutzer aus hohem Hause gehalten zu werden, und bat um die Erlaubnis, uns begleiten zu dürfen. Mit übertriebener Ehrerbietung und etwas orientalisch schnörkelhaft, so dass die Schönheit der Bilder den Mangel an Geschmack ausgleichen musste, sagte er leidenschaftlich und schüchtern der Signorina Artigkeiten, während ich nebenher ging und die Miene eines Menschen aufsetzte, der die Natur geniesst. Als wir auf dem Rückwege am Hause Tornabuoni vorüberkamen, sahen wir den alten Ieronymo Spaladetti im Gespräche mit dem Herrn des Hauses unter einem eisernen Fackelhalter sitzen. Als wir an ihn herangekommen waren, rief er seinem Sohne zu:
„Giuseppe, hierher!“
Wir blieben stehen, die Signorina gab den Arm des jungen Spaladetti frei, der seinem Vater antwortete: