„Und alle rothaarig, wie die Füchse . . .“

„Nun, dieser kann auch schwarze Haare bekommen.“

„Was willst du damit sagen, Barbara?“

„Hast du das Jugendbildnis des Rates gesehen, das in seinem Speisesaal hängt?“

„Dummheiten! Das geht uns nichts an! Ich glaub’s nimmer!“

„Gewiss, ich sag’s ja auch: meine Sache ist, dass die Kühe gefüttert werden, dass sie rein sind und gemelkt werden, ja, das ist meine Sache, aber was die herrschaftlichen Angelegenheiten anbetrifft, so bewahre mich der Herr davor, nicht wahr?“

Hier trat ich aus der Allee heraus, beantwortete den ehrerbietigen Gruss der beiden Viehmägde und ging langsam meinem Schlossflügel zu, an den Pfützen vom gestrigen Regen herum, in denen der grellrote Widerschein der vom Sonnenuntergang geröteten Wolken glühte.

Zweites Kapitel

Ich trat dem Diener nach eilig in das grosse rote Zimmer, in dem ich den Herzog Ernst Johann am offenen Fenster im Gespräch mit seinem jungen Bruder, Philipp Ludwig, antraf. Durch das Fenster sah man auf eine gerade, bereits gelb gewordene Weissbuchenallee. Mit weiten Schritten, irgendeinen König, den er sich zum Muster gemacht, nachahmend, kam der Herzog mir entgegen und drückte fest meine Hand. Dann fragte er mich nach dem Ergebnis meiner Beobachtungen und Berechnungen. Herzog Ernst Johann war hager, mittelgross von Wuchs, hatte eine lange Nase, ein skrophulöses Gesicht und schmale Schultern. Er ähnelte seinem Bruder Philipp Ludwig, der ein wenig frischer aussah mit dem etwas fieberhaften Rot auf den Backenknochen und den glänzenden hervortretenden Augen. Indem ich hier und da aufgegriffene Gerüchte in Einklang brachte, mich der Unterweisungen meines Lehrers, der aus magischen Büchern geschöpften Formeln und Verordnungen entsann, konnte ich, mehr oder weniger erfolgreich, die Zweifel meines Herrn lösen, Ratschläge in laufenden Angelegenheiten erteilen und Voraussetzungen über künftige Ereignisse machen. Der junge Herzog stand an den Fensterrahmen gelehnt und schien erleichtert die durch den Regen erfrischte Luft einzuatmen.

„Ew. Liebden werden einen Thronerben haben,“ sagte ich langsam, um dem Inhalt meiner Rede mehr Bedeutung zu geben: „Ew. Liebden werden einen Sohn haben, aber Eure Freude wird durch das Blut verstorbener Vorfahren und einen Knoten getrübt werden, der aus verschiedenen Fäden geknüpft, demjenigen Unheil droht, der ihn löst.“ Der Herzog hörte mir gespannt und errötend zu, drückte mir wieder die Hand und murmelte im Fortgehen: