„Ein Sohn, das ist das Erste, das andere wollen wir später in Erwägung ziehen.“

Ich hatte mich ehrerbietig verneigt und begleitete ihn zur Tür. Dann kehrte ich zu Philipp Ludwig zurück, dessen dunkle Gestalt sich noch immer scharf vom bereits erblassten Abendhimmel abhob.

„Also, mein junger Freund!“

Er wandte sich hastig zu mir und rief mit gerührter und begeisterter Stimme:

„Meister, Meister, ich neige mich vor Eurem Wissen, Eurer Wissenschaft, Eurer Person, ich verehre Euch, nehmet mich, lehret mich, leitet mich, sehet — ich bin ganz der Eure!“ Er warf sich an meine Brust und barg seinen Kopf an meiner Schulter.

Drittes Kapitel

Die Herzogin Elisabeth Beatrix sass, im Hinblick auf ihre sich dem Ende nähernde Schwangerschaft, in weitem Gewande, in einen tiefen Sessel zurückgelehnt, da und blickte mit verschämtem Stolz auf ihren hinter den Armen des Sessels hervorragenden dicken Leib. Herzog Philipp Ludwig, der Rat und ich standen vor ihr und lauschten auf ihre leise, absichtlich noch leidender verstellte Stimme:

„Teurer Meister Ambrosius, Ihr handelt vielleicht nicht ganz überlegt, wenn Ihr Euch in unserem betrüblichen, freilich bloss leichten Familienzwist so offen gegen mich, gegen unseren ehrenwerten Freund, den verdienstvollen Rat, auf die Seite der Prinzessin Amalia stellet. Die krankhafte Einbildungskraft der armen Prinzessin und Eure Vertrauensseligkeit tragen allein die Schuld an alledem, teuerer Meister.“

„Ich bin überzeugt, dass der Meister sich, wie immer, nur von den edelsten Gefühlen hat leiten lassen,“ mischte sich Philipp Ludwig mit Leidenschaftlichkeit ein, indem er einen Schritt vortrat. Elisabeth Beatrix schlug ihre Augen zu dem Sprecher auf und senkte sie dann wieder auf ihre mageren Hände, die sie über dem Magen gefaltet hatte, worauf sie bemerkte:

„Ich habe auch gar nichts anderes gedacht, lieber Schwager!“