„Euer Anliegen wird, meinen Worten entsprechend, erledigt werden,“ und beantwortete mit einem wohlwollenden Lächeln seine ehrerbietige, wenn auch würdige Verbeugung. Als ich allein geblieben war, sah ich durch das Fenster lange in den feinen Regen hinaus, der in eine Pfütze tröpfelte, dann klingelte ich nach meinen Kleidern.

Neuntes Kapitel

Im Saal, in dem schon die Kandelaber angesteckt waren, befand sich nur Bertha von Liebkosenfeld. Sie stand mitten im Zimmer und las einen Zettel. Ihr rosiger feuchter Mund lächelte. Als sie mich bemerkte, winkte sie mich zu sich heran, legte ihre Hand auf meine Schulter und sagte:

„Meister, nur im Unglück erkennet man seine wahren Freunde. Glaubet mir, dass ich . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . .

Aus Briefen der Jungfer
Claire Valmont
an Rosalie Tütel Mayer

27. Juli 172*.

Entschuldigt, teure Tante, dass ich Euch so lange nicht geschrieben habe, aber über diesem Umzuge haben wir alle den Kopf verloren; jetzt kommt alles nach und nach in Ordnung, und gestern wurde schon das Schild aufgehängt; Papa macht alles selbst, ärgert sich und schilt uns und gestern kam es mit ihm so weit, dass er sein Gilet mit dem Hinterteil nach vorne angezogen hatte. Mama lässt Euch vielmals grüssen; ich habe ein eigenes Zimmer, aber neben dem ihrigen und die Tür lasse ich zur Nacht offen stehen, weil ich immer noch derselbe Hasenfuss geblieben bin. Papa hat, ausser Jean und Pierre, nur noch einen Lehrling und dann noch Jacques Mobert, der unlängst zu uns in Dienst getreten und, wie ich glaube, von hier gebürtig ist. So ein sonderbarer Kauz! Er kam, sich zu verdingen, in später Nacht, als wir uns schon schlafen legen wollten; Papa hätte ihn beinahe, ohne weiter zu reden, davongejagt, aber schliesslich ging alles gut aus. Arbeit gibt es, gottlob! viel, so dass Papa sich ordentlich müde arbeitet; aber was ist dabei zu machen, man muss doch auf irgendeine Art leben. Was soll ich Euch über Lachaise-Dieu sagen? Es ist das ein ganz kleines Städtchen mit einem alten Kloster, das wie eine Festung aussieht, in der Ferne kann man Berge sehen. Ich weiss nicht, ob wir es hier nicht sehr langweilig haben werden, obgleich wir schon einige Bekanntschaften gemacht haben. Einstweilen kommt man noch, wegen der Einrichtung, zu nichts. Lebet wohl, liebe Tante, entschuldigt, dass ich wenig schreibe — ich habe furchtbar wenig Zeit und dann ist es auch so heiss, dass mein Hals ganz nass ist. Ich küsse Euch usw.

Eure Euch liebende Nichte
Claire Valmont.

*

15. September 172*.