Wanja wandte sich vom Fenster ab, an dem er gestanden hatte, und erblickte im Türrahmen die wohlbekannte Gestalt Larion Dmitrijewitsch Stroops in seinem sackartig breiten Anzuge.
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Wanja hatte angefangen sich sorgfältiger zu kämmen und schenkte auch seinem Anzug seit einiger Zeit mehr Aufmerksamkeit. Sein Ebenbild in einem kleinen Wandspiegel betrachtend, sah er gleichgültig ein etwas unbedeutendes rundes Gesicht mit roten Wangen, grossen grauen Augen, einem hübschen Mund mit kindlich dicken Lippen und blondem Haar vor sich, das nicht ganz kurz geschnitten, sich ein wenig lockte. Weder gefiel ihm, noch missfiel ihm dieser hohe und schlanke Knabe mit den feinen Augenbrauen, der in einer schwarzen Bluse vor dem Spiegel stand. Durch das Fenster sah man einen Hof mit nassen Fliesen, die Fenster des gegenüber liegenden Hausflügels, Streichholzhändler. Es war Feiertag und alle schliefen noch. Wanja war, wie gewöhnlich, früh aufgestanden, hatte sich ans Fenster gesetzt und wartete auf den Tee, während er dem Glockengeläut einer nahen Kirche und dem Geräusch zuhörte, das die im Nebenzimmer aufräumende Bedienung machte. Er erinnerte sich an die Feiertagsmorgen dort, „zu Hause“, in der alten Kreisstadt, an die sauberen Stuben mit den Tüllgardinen und Lämpchen vor den Heiligenbildern, an die Messe in der Kirche, die Piroggen zum Mittag, alles einfach, hell und lieb, und das Regenwetter draussen, die Drehorgeln auf dem Hofe, die Zeitungen beim Morgentee, das sinnlose und ungemütliche Leben, die dunkeln Zimmer, das alles wurde ihm langweilig.
Konstantin Wassiljewitsch, der Wanja mitunter aufsuchte, blickte zur Tür herein.
„Bist du allein, Wanja?“
„Ja, Onkel Kostja. Guten Tag! Was gibt’s?“
„Nichts. Wartest du auf den Tee?“
„Ja. Ist Tante noch nicht aufgestanden?“
„Auf ist sie schon, sie kommt bloss nicht heraus. Sie ärgert sich. Wahrscheinlich ist kein Geld da. Das ist das erste Anzeichen: wenn sie zwei Stunden im Schlafzimmer sitzt, so bedeutet das, dass kein Geld da ist. Und wozu nur? Sie wird doch sowieso herauskriechen müssen.“
„Wissen Sie nicht, verdient Onkel Alexej Wassiljewitsch viel?“