Stepan Iwanowitsch wandte sich ab.

„Das ist deine Sache!“ sagte er dumpf und trat ans Fenster.

Mishujew stand lange auf demselben Fleck und fühlte, wie qualvoll seine Hände und Füße zitterten und sein Herz schlug.

„Fjodor Iwanowitsch,“ sprach ungewöhnlich weich und einschmeichelnd Schanz, und Mishujew erblickte neben sich sein spitziges Fuchsgesichtchen. „Mir scheint, Sie regen sich zu sehr auf und übertreiben die Sachlage. Schließlich verstehen wir doch alle, daß wir ohne Konzessionen nicht auskommen werden. Stepan Iwanowitsch wird das sicherlich auch zugeben ... Gewiß doch. Nur kommt es auf den Umfang der Zugeständnisse an. Soweit ich aus unseren früheren Beratungen ersehen konnte, treten Sie für die völlige Annahme aller Forderungen ein. Das ist doch wirklich unausführbar, Fjodor Iwanowitsch!“

Schanz berührte zärtlich Mishujews Ellenbogen und suchte seine Augen mit einem unaufrichtig-freundlichen Blick. Mishujew wandte sich ab.

„Sehen Sie gefälligst hier,“ fuhr Schanz bescheiden und beharrlich fort, als hätte er die Bewegung Mishujews nicht bemerkt, und lud ihn mit einer leichten Handbewegung ein, an den Tisch zu treten. „Ich möchte Sie nur mit einigen Zahlen bekannt machen, und Sie werden selbst sehen, was möglich ist, und was nicht.“

Seine zärtliche klebrige Stimme war so beharrlich, daß Mishujew sich ungewollt am Tisch niederließ und anfing, düster und aufmerksam zuzuhören.

„Hier, wir wollen von den bestehenden Lohnsätzen ausgehen ...“ sprach Schanz mit einschmeichelndem Ausdruck in der Stimme weiter, und machte sich äußerst geschickt ans Werk, Fjodor Iwanowitsch ein kompliziertes trockenes System auseinanderzusetzen. Er begann damit, ihm auseinanderzusetzen, daß die Lage der Arbeiter in ihrer Fabrik viel besser sei, als in der ganzen Gegend sonst. Sehr gewandt und zur richtigen Zeit erwähnte er den großen Aufwand für Schulen, Krankenhäuser und ein Theater, und die gute, fast mustergültige Einrichtung des Konsumvereinsladens. Dann gab er eine Übersicht der Marktlage, und zeigte die riesigen Verluste, die die Fabrik bereits beim vorigen Streik erlitten hatte.

„Und dabei wollen die Arbeiter noch nicht einsehen, daß dieser Streik nicht durch uns, sondern durch die Politik der Regierung heraufbeschworen worden ist,“ bemerkte er wie nebenbei, mit den Spitzen der kalten, knochigen Finger gestikulierend.

Dann öffnete er einen ganzen Haufen peinlich saubere Bücher, aus denen ersichtlich war, daß die Einführung neuer Maschinen die Arbeit verkürzte, die Produktion vergrößerte und lediglich dadurch schon den Lohn fast um die Hälfte steigerte. Wäre vor einem Halbjahr die Forderung der Lohnerhöhung erhoben worden und hätte die Fabrik Konzessionen bewilligt, so würden die Arbeiter auch in diesem Falle um dreißig Prozent weniger als jetzt verdient haben. Auf diese Weise beeilen sie sich, mit neuen Lohnforderungen, die nicht im geringsten durch die wirkliche Geschäftslage gerechtfertigt sind, aufzutreten und verhindern dadurch die Fabrikverwaltung, neue Erweiterungen des Etablissements vorzunehmen, die doch zur Verbesserung ihrer eigenen Lage führen müßten ...