Die Stimme Stepan Iwanowitsch stieg dünn und böse in die Höhe, und wimmerte im letzten Ton schrill wie Hundewinseln. Mishujew blickte ihn ratlos und empört an.

„Woher nimmst du das Recht, so zu reden,“ sagte er leise, „die Leute sterben vor Hunger, schinden sich in schwerer Arbeit ab, wie du sie keine zwei Tage lang ertragen könntest, und du sprichst noch von Trinken, von Flaschen Wodka. Genug doch, Bruder! ... Ich dagegen behaupte, daß sie, wenn wir ihnen jetzt geben, was unumgänglich nötig ist, an die Arbeit gehen und von mehr gar nicht träumen werden. Weil sie noch besser als wir verstehen, daß wir nicht diese Ungleichheit geschaffen haben; nicht gegen unsere Person richtet sich ihr Haß.“

Stepan Iwanowitsch schüttelte in wütender Erregung seinen Kopf, als ob er nur Dummheiten hörte, schwieg aber. Dieses Schweigen, dieser hartnäckige trockene Widerstand gegen das, was Mishujew so einfach und richtig schien, erhitzte diesen noch mehr.

„Na, schön ... Gib ihnen nichts, wirf ihren Ausschuß die Treppe hinunter ... Laß sie deine Fabrik bis auf den letzten Ziegelstein in Grund und Boden reißen! Mag es dazu kommen, ich werde froh sein, wenn dieser Fluch von der Erdoberfläche verschwindet!“

Stepan Iwanowitsch verzog sein Gesicht zu einem Lächeln, und dieses Lächeln war so böse und verächtlich, daß Mishujew erblaßte.

„Das sind alles Redensarten ...“ Stepan Iwanowitsch ließ jedes Wort geizig durch die Zähne gleiten. „Zerstören werden es die Truppen nicht lassen, und diesen ‚Fluch‘ hast du, Gott sei Dank, nicht weniger ausgenützt als ich! Ach!“

„Truppen?“ fragte Mishujew dumpf. Er empfand gegen den Bruder furchtbaren Haß und fühlte deutlich, daß der ihn ebenso haßte, „wir werden auf hungrige und in ihrem Rechte befindliche Menschen schießen lassen? Verstehst du denn, was du da sprichst?“

„Ich verstehe alles. Nicht ich habe Fabriken, nicht ich habe Arbeiter geschaffen. Ich bin sehr froh, daß es einmal weder das eine, noch das andere geben wird. Aber vorläufig gehört die Fabrik uns und nicht ihnen, und wenn sie nur ein Steinchen anrühren, werde ich sie wie tolle Hunde niederknallen lassen! Jawohl!“

Und Stepan Iwanowitsch erhob sich, groß und schwer wie ein Stein. Auf seinem breiten Schädel schimmerte trübe das blasse Licht des Wintertages.

„Und ich werde das nicht zugeben!“ schrie Mishujew heißer, „wenn du schießen läßt, so stelle ich mich zu ihnen. Ich will sehen, ob du dann noch den Mut dazu findest!“