Aber sofort begann er in dem trüben grünlichen Abgrund, der ihm die Brust in Stücke riß, zu versinken. Ein Schwarm kleiner Fische sprengte wie Splitter nach allen Seiten auseinander, kehrte aber gleich zurück und starrte von allen Seiten mit runden rätselhaften Augen auf seinen ausgebreiteten schwimmenden Paletot, auf die gespreizten Beine in gelben Lackstiefeln und auf den toten blauen Kopf, der langsam tiefer und tiefer in der kalten grünen Finsternis untersank.
Der Tod des Iwan Lande
I
Gegen den Winter wurde es im Städtchen still. Alles, was in ihm an Jugend und Regsamkeit war, fuhr in die großen Städte. Zu Hause blieben nur die Alten an Körper und Geist. Sie lebten in eintöniger, althergebrachter Ordnung: spielten Karten, gingen in den Dienst, lasen und meinten, daß so das Leben verlaufen müßte. Auf den Straßen lag in reiner Helle das starre Leichentuch des Schnees; in den Häusern regten sich matt und schläfrig Menschen, die mit allem schon zu Ende gekommen waren. Im Frühling jedoch, wenn die schwarze, feuchte Erde zu duften begann und überall das Grün aufleuchtete, die Sonne freudig wärmte und jedes Hügelchen durchtrocknete; wenn abends alles leise, gespannt lauschend dalag, dann brachte jeder Tag irgend einen anderen mit der Bahn nach Hause, und auf den Straßen zeigten sich lebhafte, frische Gesichter, jung und freudig, wie der Frühling selbst. So wie es selbstverständlich ist, daß die Vögel ihre alten Nester wieder aufsuchen, das Gras auf den alten Plätzen wächst, kehrten auch im Frühling gerade alle die jungen, lebensfreudigen Menschen in ihr kleines, stilles, etwas trauriges Städtchen zurück.[2]
Auch in diesem Mai war der Sohn des erst kürzlich verstorbenen Vorsitzenden des Landschaftspräsidiums, der Student der Mathematik Iwan Lande, angekommen.
Den ganzen Tag über saß er bei der Mutter, die ihm mit trüben, müden Tränen vom Tode des Vaters erzählte; erst als es zu dämmern begann, nahm er seine Mütze und ging zum Boulevard hinunter. Die Allee lief am Ufer eines großen Flusses, der unter den Frühlingswassern gestiegen war, entlang. An einer Stelle fiel vom Ufer ein steiler Abhang ab; an seinem Rande standen zwei Bänke aus altem, grünem Holz, deren Bretter in der Feuchtigkeit weich geworden waren.