Mishujew öffnete mechanisch die Augen und blickte auf den Sprechenden. Es war ein ganz junger Mann, wahrscheinlich ein kranker, und er sprach zu einer sehr jungen Frau mit lebhaften, fröhlichen Augen. Sie standen am Bord, und der Wind blies ganz leise in ihr weiches Haar. An ihren strahlenden Gesichtern und daran, wie leicht und freudig ihr Atem ging, verstand Mishujew, ohne daß sie ihre verzauberten Augen von den Ufern, die sie offenbar zum ersten Mal sahen, abwendeten, daß darin wirklich Glück liege.
Dann ließ er seinen trüben Blick wieder über die Ufer gleiten, sah, was er schon hundertmal gesehen hatte, und schloß wieder die Augen, um in seiner wortlosen, schwarzen Leere zu versinken.
Auf der anderen Seite sprachen zwei Französinnen von Stierkämpfen.
„Und bevor ihn der Toreador tötet ... treiben alle Matadore mit ihren roten Mänteln den Stier immer nach einer Richtung ... verstehst du, immer nach einer Richtung ... bis er ganz verblödet wird ... dann erst stößt ihn der Toreador nieder ... Im Grunde ist das gar nicht mal schön!“
Mishujew wußte es.
Im Augenblick drängte sich vor seine geschlossenen Augen ein riesiger Stierkopf mit unbeweglichen, blutunterlaufenen Augen. Er sah ihm gerade ins Gesicht. Mishujew zitterte und erhob sich.
Überall waren Menschen; schwatzende, lachende Gesichter, die ihn mit neugierigen Blicken begleiteten. Er ging still an ihnen vorbei und kam bis an das Hinterteil.
Da stand er am Bord und schaute lange unverwandt auf die schäumige Spur, die der Dampfer hinter sich aufriß. Er sah so aus, als suchte er etwas in diesem trüben, unheimlichen Schaumstreifen. Mit einem Mal kam ihm vor, als habe er es gefunden; er blickte sich um, sah nach dem Himmel, den Bergen und dem Haufen fröhlicher, buntfarbiger Menschen, die in einiger Entfernung von ihm saßen. Und plötzlich, irgendwie seitwärts, ungelenk, stürzte er über Bord, mit dem blitzschnellen Bewußtsein der Ungeschicklichkeit dieser Bewegung und Scham vor den Menschen, die sie bemerken mußten.
Entsetzlicher Lärm schlug ihm um den Kopf. In Nase und Mund drängte eine klebrige, brennende Welle mit scharfem, reißendem Schmerz. Gleichzeitig erschütterte ein wahnsinniges, mit nichts vergleichbares Entsetzen sein Gehirn. Im furchtbaren Krampf sich gegen den Abgrund, der ihn ergriff, wehrend, tauchte er nochmals auf, sah durch den Nebel des Wassers, das ihm von den Haaren rieselte, in weiter Ferne den weißen Fleck des Dampfers und schrie:
„Hilfe!“