Weshalb? fragte sich Mishujew, mit starrem Blick die dunklen Gespenster, die an dem Wagenfenster vorbeizogen, verfolgend. Und zur Antwort tauchten vor ihm armselige, lächerliche Bilder auf; er, ein Mann, der sein ganzes Leben lang das Allerbeste genoß, was es im Leben gibt, und der es zu genießen verstand, wird plötzlich absichtlich bettelarm, wird in ein Kontor gehen, zwanzig Rubel Monatsgehalt bekommen, und dann ... dann vielleicht ein bescheidenes Mädchen, das auf der Schreibmaschine tippt, heiraten? ... Wie dumm war das!
... Weshalb dumm?
Unbekannt weshalb, aber dumm und lächerlich, wie alles Sentimentale und Zwecklose.
Über seinem Kopf hing eine düstere Riesenmasse, die bekannte Empfindung qualvoller Leere packte ihn von allen Seiten, und plötzlich fühlte er die Nähe des Endes; seitdem sah er es stets vor Augen.
Noch einmal ein krampfhaftes Aufflackern: er erinnerte sich, daß irgendwo weit, in der Ferne, eine Frau lebte, die durch ihn unglücklich geworden war und die ihn einst geliebt hatte. Aber dieses Aufflammen erlosch ebenso schnell, wie alles, was jetzt in seinem Gehirn entstand und verging.
Qualvoll klar wurde ihm nur, daß er nirgends mehr hinzufahren hatte. Stets und überall blieb er, was er war. Nichts konnte das heilen, was in seiner Seele ein für allemal verkrüppelte.
Dieser neue Gedanke, daß es für ihn keinen Platz mehr in der Welt gab, und daß jeder neue Schritt nur ein Glied in der Kette von Leiden und Trübsal bildete, stieg auch jetzt klar und deutlich in sein Gehirn.
Er seufzte schwer, wendete seinen Blick von den vorbeigleitenden grünen Ufern des Mittelmeeres ab und schloß die Augen.
Gleich darauf hörte er neben sich sprechen.
„Wunderbar ist es, wissen Sie,“ sagte eine jugendliche russische Stimme, „wenn man mit einem Expreß von Norden nach Süden fährt ... Dann hat man den Eindruck, als käme der Frühling nicht mit jedem Tag, nein mit jeder Stunde ... man saust ihm einfach entgegen ... Ich kann es nicht ausdrücken, aber es scheint mir, einen größeren Genuß könnte es garnicht geben. Gestern war noch alles grau, kühl, heute gibt es schon geschmolzene Stellen und zerflossenen Schnee zwischen den Birken ... und morgen ist der blaue Himmel da ... Ach, wie schön!“