„Na, ist nicht so schlimm!“ meinte Lande, aber seine Stimme zitterte.

„Nein, Bruder, ich bin ganz kaputt!“ erwiderte Ssemjonow, wobei er sein von der Krankheit greisenhaft gerunzeltes Gesicht zu einem unnatürlichen Lächeln verzerrte; durch seine Stimme brach wider Willen fein und grell scharfe Verzweiflung. „Bald wird aus mir das schönste Unkraut sprießen!“

Alle wurden still. Ein kalte, fremde Regung, die ihnen aber doch entsetzlich nahe war, richtete sich in ihrem Innern auf. Deutlich klang die leise Stimme Landes, wie eine schwach aufgezogene Saite, als er sprach:

„Aber nicht doch, Täubchen! So soll man nicht über etwas reden, das niemand weiß. Wir werden alle einmal sterben, nicht ich, nicht du allein, nein alle, und wir werden es alle gleich erfahren, ob es ein Ende, ein Unkraut ist, wie du sagtest, oder ein neues Leben. Alle! Fühlst du denn wirklich nichts hinter diesem Wort? Unmöglich kann doch eine solche Kraft von Leiden, Lieben und Denken spurlos verschwinden, einfach als Unkraut aufgehen. Alle fühlen das auch und glauben es, auch du glaubst es. Nur willst du nichts glauben, weil du dich wie ein Kind vor dem Neuen, Unverständlichen fürchtest. Wir kennen doch den Tod nicht, und an ihm ist uns gerade furchtbar, daß wir ihn nicht kennen ...“

Die naive Aufrichtigkeit, die aber in ihrer Einfachheit feierlich wirkte, mit der Lande seine unklaren, in der Luft wogenden Worte sprach, umzog das gequälte Gehirn wie ein unfaßbar weicher Duft, wie ein warmer Strahl, der die Seele liebkost, das gespannte Denken beruhigt, es auf etwas Unbestimmtes und Helles ablenkt, wie zu einer fernen Morgenröte hin. Eine kindlich zutrauliche Hoffnung leuchtete schüchtern in der dunklen Tiefe des zitternden Herzens auf, und ohne sich weiter in Landes Worte zu vertiefen, sie allein mit dem Gefühl aufnehmend, lächelte Ssemjonow ruhiger und heiterer.

„Selig sind, die glauben!“ sagte er leicht scherzend. Alle atmeten freier auf und kamen wieder in Bewegung. Das unsichtbare, kalte Gespenst trat leise zurück und nahm seine fürchterlich schwere Hand von ihrem Gespräch.

Ein hochgewachsener Mensch, schwarz wie ein Schatten, kam den Boulevard hinunter; seine langen Beine scharrten über den raschelnden Sand.

„Da ist Firsow,“ sagte Lande und rief, ein wenig seine Stimme anstrengend: „Firsow!“

„Wer ist das?“ fragte Molotschajew leise.

„So ein Beamter am Kameralhof ...“ Schischmarjow machte eine wegwerfende Handbewegung. Er schien auf Lande ärgerlich zu sein.