III
Als Lande nach Hause kam, saß seine Mutter am Tisch; sie wartete augenscheinlich schon lange mit dem Abendbrot auf ihn.
Zu Hause war es seit dem Tode ihres Mannes leer und öde; sie tat sich selber leid. Ihr schien, daß alles in der Welt zu Ende, gestorben sei; ihr Leben war durch eine dunkle und verhängnisvolle Macht in zwei gleiche Hälften gespalten worden. Das, was früher in ihm langweilig und schwer gewesen war, vergaß sie und sah hinter sich furchtbar weit, alles nur freudig und warm, wie von hellem, wärmenden Licht durchströmt. Jetzt aber blieb es kalt und leer. Nur wenn sie an den Sohn dachte, flimmerte etwas Lichtes vor ihr auf, und sinnvoller wurde alles, was sie tat.
„Wanja?“ fragte sie leise hinter der Lampe.
„Ich bin es, Mütterchen!“ antwortete Lande, warf seine Mütze auf den Tisch, ging auf sie zu und setzte sich neben sie, den Kopf gegen ihre volle, aber nicht mehr elastische Schulter, die warm wie eine Ofenbank war, gelehnt. Sie streichelte ihn über den Kopf, über die lockeren, sehr weichen und hellen Haare und dachte, daß ihre ganze Zukunft und Freude, ihr Glauben und Sinn, ihr ganzes unbegreifliches, fürchterliches Leben nur noch in diesem Sohne ist.
„Willst du essen?“ fragte sie und legte ihm die Hand auf die Schulter.
„Ja.“ Lande fing an, ihre volle Hand mit den kurzen, verschrumpften Fingerchen still und zärtlich zu küssen.
„Mein lieber Junge!“ sagte die Mutter mit Tränen in den Augen.
„Mutter, was hat uns Vater eigentlich hinterlassen. Alles in allem?“