Am Morgen des nächsten Tages ging Lande ins Gefängnis. Hinter der Stadt glänzten die Mauern schon von weitem auf; in scharfem Weiß hoben sie sich längs der breiten Flußböschung von einer zarten, grünen Wiese ab. Die in der Sonne glänzenden Bajonette einsamer, schwarzer Soldatengestalten durchstachen kräftig die blaue Luft.

Lande wurde zu dem Inspektor geführt; einem Mann mit einem langen, so silberweißen Vollbart, wie er auf den flachen Ssusdaler Heiligenbildern gemalt wird. Der Inspektor starrte Lande höflich an und bewegte mit fragender Miene seine dünnen, mißtrauischen Lippen.

„Mein Name ist Lande. Sie kennen mich wahrscheinlich? Ich möchte sehr gern den Tkatschow sehen — denjenigen, der vorgestern vor Gericht freigesprochen wurde. Ich habe erfahren, daß er noch hier sitzt.“

Der Gefängnisinspektor mit dem Heiligenbilderbart machte eine leise Bewegung mit den knochigen Fingern.

„Das können Sie ... Er ist noch bei uns. Sehen dürfen Sie ihn, natürlich!“ wiederholte er, als ob er sich selbst noch einmal davon überzeugen wollte. „Ich lasse Sie zu ihm begleiten ... Oder soll er vielleicht hierher gerufen werden?“

„Ich würde lieber selbst zu ihm gehen, — er wird vielleicht gar nicht zu mir kommen wollen. Ich bin mit ihm eigentlich so gut wie unbekannt.“

Der Inspektor fixierte Lande scharf.

„Ssidorow, führe den Herrn hin!“ sagte er, indem er plötzlich die Augenbrauen barsch zusammenzog und aufhörte, Lande anzustarren.

„Wie dürfte ich denn über ihn verfügen, wissen Sie?“ sagte ihm Lande vertrauensvoll. „Ich möchte, sehen Sie, ihm vorschlagen ...“