... Herr! er versuchte dagegen anzukämpfen und wieder zu beten, aber der Aufschrei hallte leer und tot in seiner Seele wider.
Da sprang er, von einem augenblicklichen Verlangen hingerissen, rasch vom Bette auf, sank in die Knie und legte dann die heiße Stirn auf den kalten Boden. Ringsherum war alles ebenso still und finster.
Seine Augen wurden plötzlich feucht; in seiner Seele wurde es ruhig; es ging wie ein Aufseufzen nach sehnsüchtiger Erwartung durch seinen Körper. Und sofort mahnte er sich daran, morgen den Arbeitern das Geld zu geben, ihnen alles abzugeben, was er nur geben kann, sich selbst, das Freudigste und Lichteste in seiner Seele fortzugeben. Wie er es tun würde, das wußte er noch nicht und an das dachte er auch nicht, wie er auch nicht mehr daran dachte, daß er die Mutter betrüben, viele Menschen gegen sich aufbringen und sein eigenes Leben erschweren konnte.
Ein volles, frohes Gefühl erwachte in ihm und erfüllte alles um ihn her mit breiten, klaren Lichtwellen. Die Furcht schwand wie Rauch. Vom Boden stieg Kälte auf, und sein Körper zitterte; aber es machte ihn glücklich, als ob er sich dadurch mit jemandem vereinigte und aufhörte, einsam zu sein. Und dann trat alles in Nichts zurück: die Härte des Fußbodens wie seine Kälte, die Finsternis, sein eigener, halbnackter, lächerlich zusammengekauerter Körper — alles trat in Nichts zurück und wurde unfaßbar, überflüssig.
... Herr, mein Herr! betete Lande wieder mit unstillbarem Verlangen.
Und in diesem angespannt freudenvollen Zustand, der dem größten, tiefsten Glücke glich, erstarrte er allmählich, wurde ruhig, verlor die Besinnung und war auf dem Boden eingeschlafen, als ein grauer, durchsichtiger Schein sich durch das Fenster schlich.
Es war das letzte Mal in seinem Leben, daß ihm Zweifel gekommen waren, daß er für einen Augenblick in der Voraussicht der schweren Wandlung beirrt wurde. Nun öffnete sich eine helle und gerade Bahn in seiner Seele.