Sie hatten den Hof passiert und gingen durch einen engen gewölbten Korridor; dort schien es nach dem hellen Sonnenlicht im Hof auffallend dunkel; überall sah man nur kalten, schmutzig-weißen Stein und altes, grünes Eisen.
Schmutzig und häßlich gekleidete Menschen jeden Alters, aber alle mit gleich blutlosem, ungesund aufgedunsenem Gesicht schlenderten teilnahmslos aus einer Tür in die andere. Sie begleiteten Lande mit unfreundlichen und frechen Blicken, blieben an der Wand stehen und schlichen dann wieder in die Tiefe der feuchten Korridore; in ihren sinnlosen, gleichgültigen Bewegungen lag etwas furchtbar Aufpeitschendes. In einer Zelle versuchte jemand zu singen, aber man konnte merken, daß er darauf mehr Kraft verwendete, als nötig war, und das Singen selbst glich mehr einem Fluchen — so wild war die Weise und so viel häßliche Worte enthielt das Lied.
„Tkatschow!“ rief Ssidorow fröhlich in den Korridor hinein.
„Hallo, Tkatschow! He ... du! ... Man ruft dich! Hörst du nicht?“ brüllten ungeordnet mehrere Stimmen, als ob sie froh wären, nicht mehr ziellos, sondern mit einem bestimmten Zweck schreien zu können.
An der Schwelle einer Zelle erschien ein Mann in einer zu großen Gefangenenjacke, mager, schwarz. Sein dunkles Gesicht mit hervortretenden Backenknochen sah Lande düster und mißtrauisch an.
„Ich möchte zu Ihnen ...“ Lande reichte ihm die Hand und lächelte vertrauensvoll; er bemühte sich, durch dieses Lächeln Tkatschow näher zu kommen und verständlicher zu werden.
Linkisch und doch, als ob er über den Besuch gar nicht verwundert wäre, gab Tkatschow die Hand.
„Ich wollte mit Ihnen über einiges sprechen,“ fügte Lande hinzu.
Tkatschow blickte ihn noch mißtrauischer an, biß auf seine dünnen, trockenen Lippen, trat dann unwillig zwei Schritte zur Seite und sagte mit gebrochener, etwas dumpfer Stimme:
„Hier wohne ich ... da ...“