Diesen Schrei hörte Molotschajew, der hinter einer Wegesbiegung daherkam. Mit der blitzschnellen, instinktiven Entschlossenheit, die ihm eigen war, warf er Kasten und Staffelei beiseite und rannte vorwärts. Der Barfüßler erblickte ihn früher als die anderen. Im Sprunge blieb er stehen, glitt ins Gras und duckte sich zur Erde, blickte eine Sekunde lang Molotschajew mit glühenden Pupillen an und schnellte plötzlich in die Büsche, ein paar Zweige krachend zu Boden schlagend. Marja Nikolajewna lief gegen einen Baumstamm und blieb, am ganzen Körper zerschlagen, mit aufgelöstem Haare und blöden Augen, stehen, ohne in dem Augenblick zu wissen, was sich mit ihr zutrug. Schwer atmend rannte Molotschajew in großen Sätzen an ihr vorbei, achtete nicht auf Lande, der ganz weiß, dünn und schwächlich auf dem Gras am Rande des Weges stand, sondern stürzte sich sofort auf Tkatschow. Tkatschow hatte ihn schon von weitem bemerkt; einen Augenblick schien es, daß er ebenfalls weglaufen würde; er blieb aber stehen, zog sich ganz in sich zusammen und wartete schwarz und trotzig auf den heranstürmenden Molotschajew. Schweigend lief der auf ihn zu, und ehe Tkatschow eine Bewegung machen konnte, schwang er breit die Faust in die Höhe und schlug ihm mit furchtbarer Kraft mitten ins Gesicht. Tkatschow ächzte leise, erschrocken, warf die Hände hoch; seine Mütze rutschte über seinen Rücken herunter, er fiel, schwer und fest, auf die Kniee. Ein zweiter Schlag traf ihn von oben auf den Kopf; zur Seite geneigt, den Kopf gegen die Erde gestoßen, eigentümlich und ungelenkig brach er auf dem Weg zusammen.

„Molotschajew, Molotschajew!“ rief Lande gellend und wie er da stand, nur in seinem Hemde, stürzte er auf ihn zu und ergriff ihn an der Hand. „Lassen Sie ihn!“

Molotschajew senkte die Arme; er atmete schwer, war rot und aufgeregt. Lande ließ sich eilig in die Kniee nieder und bemühte sich, Tkatschow aufzurichten. Der Geschlagene regte sich nicht; auf dem dünnen und langen Hals schwankte sein Kopf dicht über dem Boden hilflos hin und her.

„Sie haben ihn totgeschlagen!“ stammelte Lande mit Entsetzen.

„Wenn schon. Hat’s nicht viel besser verdient!“ erwiderte Molotschajew grob.

Doch Tkatschow stützte sich plötzlich mit den Händen auf den Boden und stand auf. Über sein Gesicht floß dickes Blut, an der Schläfe blieb Erde kleben; die ganze linke Gesichtsseite und die Nase hatten eine entsetzliche, schmutzig rote Farbe.

„Na, wieder zu sich gekommen ... Wird es sich wohl für ein anderes Mal merken!“ Molotschajews Fäuste zitterten und ballten sich zusammen, als hätte er den dringenden Wunsch, wieder zuzuschlagen.

Lande hörte nicht auf ihn; er nahm aus der Tasche seiner Hose, die auf dem Grase lag, das Taschentuch heraus und steckte es Tkatschow zu.

„Wischen Sie ... das Blut ... Ach, mein Gott, was ist das!“ stammelte er zusammenhanglos, mit unendlichem Entsetzen und Schmerz.

Tkatschow regte sich nicht, nahm auch das Taschentuch nicht. Das eine Auge war schon angeschwollen; und vom Kinn und den zerschlagenen Lippen troff Blut auf den fettverschlissenen Jackettaufschlag herab.