„Höre, Wanja, das ist doch wirklich zum Teufel!“ sagte er mit scharfer Stimme, während er nervös die Hände bewegte und rieb. „Bist du denn wirklich ganz außerstande, Menschen zu unterscheiden? Dieser Firsow ist doch ein allgemein bekanntes Dreckstück, ein Mucker, Angeber, ein Mitglied des echtrussischen Verbandes, und du gibst dich mit ihm ab ... Mir hat Ssonja erzählt, daß du ihn beinahe um Verzeihung angefleht hast.“

„Er ist kein so schlimmer Mensch ...“ erwiderte Lande leise.

„Aber auf Schritt und Tritt begeht er Schuftereien.“

„Er begreift nicht, was er tut und wie sehr er sich dadurch selber schadet. Hätte er das verstanden, würde er es nicht getan haben ... Man muß es ihm klarmachen, ihn mehr bemitleiden, dann wird er es begreifen ...“

„Pfui Teufel!“ Ssemjonow spie entrüstet aus.

Schischmarjow starrte Lande fragend an.

„Sei mir nicht böse, mein Lieber! ...“ sagte Lande sanftmütig zu Ssemjonow. „Ich rege dich in einem fort auf, aber ich bin wirklich ...“

„Wenn du es wissen willst,“ fiel ihm scharf und hitzig Schischmarjow ins Wort, „eine solche Liebe ist einfach sinnlos. Lieben muß man Menschen, die der Liebe oder wenigstens des Mitleids wert sind; aber wer nur Verachtung verdient, der muß verachtet und vernichtet werden, wie man krankheitserregende Keime vernichtet, um die Luft, die von allen eingeatmet wird, zu säubern und gesund zu machen. Diese berühmte Nächstenliebe, diese unterschiedslose, widersinnige Liebe, hat nur dazu geführt, daß man eine ganze Menge von dem Schädlichen, das unbedingt vernichtet werden müßte, kultiviert und erhält!“

„Es gibt sehr viele Menschen, denen wir, ich und du schädlich vorkommen. Ich glaube nicht, daß es unter den Menschen Schädlinge geben kann ...“

„Du kannst unmöglich nicht daran glauben!“ erwiderte Schischmarjow hitzig und zupfte die Ärmel seiner kurzen Litewka zurecht.