Nach wie vor glänzten hier und dort weiße Funken in der Tiefe der Finsternis auf. Molotschajew beugte sich nieder und griff in dem nassen, warmen Gras nach einem Leuchtwürmchen. Bläulich phosphoreszierendes Licht, das einem saphirgrünen Punkt entströmte, erhellte seine breite, kräftige Hand. Marja Nikolajewna neigte sich, und ihre Köpfe fielen in dem schwachen Lichtschein fest zusammen.

„Es ist nicht erloschen ...“ sagte Marja Nikolajewna leise, als ob sie fürchtete, das regungslose, still leuchtende Würmchen zu erschrecken.

Der stille Hauch ihrer Worte berührte weich und zart Molotschajews Wange. Er hob die Augen und sah im durchsichtigen Schein ihr feines, zartes Profil und den oberen Teil der vorgestreckten Brust.

Irgendwo neben ihnen fiel etwas weich ins Gras und man hörte, wie ein Zweig sacht ins Wiegen kam. Sie seufzten beide und sahen sich um. Molotschajew schüttelte das Leuchtwürmchen vorsichtig von der Hand ab; es wurde wieder finster und roch noch intensiver nach warmem, feuchtem Gras.

In Molotschajews Brust drängte bebend ein lockendes Gefühl; er meinte, die gespannten, rufenden Schläge ihres Herzens zu vernehmen. Vor seinen Augen, in trübem Grau, flimmerte eine schlanke, etwas geneigte, weibliche Gestalt; sie war in der Finsternis wie weit von ihm entfernt; nur der feine, erregende Duft ihres Körpers und ihres trockenen Haares strich dicht an seinem Gesicht vorbei. Die Dunkelheit wurde immer angespannter, die Finsternis verdichtete sich mehr und mehr, alles trat zurück, umgab sie mit toter Leere, in der es nur sie allein, nur eine Sehnsucht ihres kräftigen, überreizten Körpers gab. Immer enger zog sich zwischen ihnen die Entfernung zusammen; und allmählich traten sie, von einem eigenen, sinnbetäubenden Licht, still wie die Nacht, wie ihr Verlangen erhitzt und bebend wie ein Geheimnis, übergossen, aus dem Dunkel hervor. Molotschajew streckte leise die Hand aus, glitt auf den erzitternden, weichen Körper zu und umarmte ihn.

Langsam legte sie den Kopf in den Nacken, so daß ihre unsichtbaren, weichen Haare auf Schulter und Arm Molotschajews fielen; eine unüberwindliche Macht hatte sie in eins verschmolzen; es war nichts zwischen ihnen, als einzig das schmerzlich süße kreisende Verlangen.

Doch plötzlich zersprang die Finsternis in tausenden Feuern, erklang in dröhnenden Lauten, verschwand zwischen den vortretenden Bäumen, Büschen und den spöttischen nächtlichen Fünkchen: Marja Nikolajewna war Molotschajews Händen, biegsam wie eine gleißende Schlange entschlüpft, und lachte silberhell und spöttisch, während sie zur Seite sprang. Die wirbelnden und klingenden Töne ihres Lachens überstürzten sich; sie waren weit in den Garten, ihn mit einem Schlag aufweckend, eingedrungen.

Molotschajew erhob sich verwirrt, kopflos und reckte schwerfällig seinen großen, schweren Körper, der noch immer in jeder Fiber bebte.

„Marja Nikolajewna ...“ seine Stimme klang dumpf, zitternd. „Was sollen die Scherze?“

„Was?“ Marja Nikolajewna fragte mit geheuchelter Neugierde; ihm schien ihr Ton boshaft und höhnend.