„Bist noch ein dummes Ding, Ssonjka! ... Du verstehst noch nichts.“

Ssonja setzte sich auf, die dünnen nackten Arme fielen am Körper herab.

„Ich verstehe alles!“ erwiderte sie mit unumstößlicher Überzeugung, „nur kann ich es manchmal nicht aussprechen! ... Nur das Große ist im Leben wichtig! ...“

Marja Nikolajewna fing an, hin und her zu schaukeln, sah dabei aber nicht sie an, sondern ihre feine, bläuliche Haut, die sich an den Gelenken der durchgedrückten, rosigen Arme in Falten legte und sich bewegte.

„Ssonja, warum bist du nur so lächerlich und ernst?“

„Ein ernster Mensch kann nicht lächerlich sein. ... Beides zusammen gibt es nicht,“ erwiderte Ssonja mit nachsichtiger Überlegenheit, als spreche sie mit einem mutwilligen Kind.

„Doch, es kann! Du Lächerliche, Ernste ... du Liebe!“ Marja Nikolajewnas Stimme klang singend, ganz durchstrahlt von leidenschaftlicher Freude. „Du wirst wahrscheinlich niemals anders werden ... Und wirst auch nie leben!“

„Ich weiß, wie ich leben werde ...“ erwiderte Ssonja nachdenklich.

„Wie?“

„Ich weiß schon ... Nicht wie alle ... wie es sich wirklich zu leben verlohnt, um ... zu etwas Höherem ... Ich werde wie Wanja leben,“ schloß sie triumphierend. Plötzlich errötete sie furchtbar und wurde zu einem wunderbar zärtlichen, lieben Mädchen, das man unter Tränen und Lachen abküssen möchte.