Marja Nikolajewna küßte sie auch, lachte und schüttelte sie, und beide wälzten sich halbnackt im Bett und verwickelten sich in dem Laken; die eine geschmeidig, kräftig und elastisch, die andere dünn und zerbrechlich. Zwei Mädchen, die das Weib in sich fühlen.

XIV

An diesem Tag reiste Ssemjonow mit dem Nachmittagszug nach Jalta. Dort konnte er, wie die Ärzte sagten, denen er nicht glaubte und doch glauben wollte, gerettet werden. Alle hatten sich versammelt, um ihn zur Bahn zu begleiten.

Ssemjonow fühlte sich sehr schlecht. Ihn freute nichts mehr. Ein nagender, unverständlicher Schmerz hüllte ihn wie ein schwerer Nebel, der ihn alles um sich nur undeutlich und trübe sehen ließ, ein. Gleichgültig und kühl reiste er fort, als ob sein Körper schon abgestorben sei, sein Geist aber nach innen gerichtet wäre, in die bodenlose Tiefe seiner einsamen Schmerzen. Er war weder erfreut, noch verdrossen, daß alle zum Abschied zu ihm gekommen waren. Ihm war es gleich. Nur Lande machte ihm Sorgen, und diese unbegreifliche, bekümmerte Aufmerksamkeit, die er für ihn hatte, berührte die anderen eigentümlich, wie ein Lächeln auf dem Gesicht einer starren, kalten Leiche.

„Nun, Lande, bleibe und lebe hier!“ sagte er mit trockenem Hüsteln. „Und wie wirst du essen?“

„Irgendwie ...“ beruhigte ihn Lande lächelnd und fügte scherzhaft hinzu: „Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie sähen nicht ...“

„Bist ein Dummkopf!“ versetzte Ssemjonow zornig. „Du bist doch kein Vogel ... Wenn man dich nicht füttert, wirst du vor Hunger krepieren. Eigentlich sehr komisch! ... Wäre ich der liebe Gott, ich hätte dich längst schon lebendig zu mir aufgenommen ... und in ein Irrenhaus gesteckt.“