Lande rieb gequält die Stirn.

... Ich werde ihm schreiben müssen, ich habe jetzt zwei Stunden ... meinte er und wurde froh.

Es war schon ganz dunkel geworden; alle Konturen schienen weich und zart. Am offenen Fenster, das wie ein schwarzer Flecken aussah, saß Landes Mutter. Trauer und Einsamkeit lagen auf ihrer kaum sichtbaren, in der Finsternis des Zimmer zerfließenden Gestalt. Lande erkannte sie von weitem, sein Herz zog sich schmerzlich zusammen. Er sah sie zum ersten Male wieder, seitdem sie ihm gesagt hatte, sie wolle von ihm nichts eher wissen, bis er seine törichten Ansichten vom Leben geändert hätte. Als sie es ihm mit kreischender Stimme zurief, war es Lande unmöglich, sie anzusehen. Er war in schwerer Trauer fortgegangen. Später fürchtete er, sie aufzusuchen; er glaubte, daß sie ihn noch einmal mit dieser fremden Stimme, die sie selbst quälen und beunruhigen mußte, anschreien könne.

Aber als er sie jetzt einsam und gebeugt am Fenster sitzen sah, erweiterte sich sein ganzes Wesen in lichter Zärtlichkeit und brennendem Mitleid. Er sprang über einen Graben, stellte sich auf einen Eckvorsprung und umarmte schweigend die Mutter. Und sie sagte kein Wort, weinte nur freudig und fing an, seinen Kopf zu küssen, ihn an ihren weichen, greisenhaften Busen zu drücken und sein Gesicht mit warmen Tränen zu benetzen.

„Mama, meine Mama!“ flüsterte Lande leise, und seine Lippen haschten nach der vor Zärtlichkeit und Freude zitternden Hand.

„Mein lieber, mein goldner Junge!“ klang eine unendlich teure, schluchzende Stimme an sein Ohr. Eng verflochten sich ihre Seelen.

„Du gehst nicht mehr fort ... du verläßt deine Mutter nicht mehr?“ fragte sie ihn.

„Ich gehe nicht fort, gehe nirgends mehr hin!“ antwortete er aus vollem Herzen.

Die Nacht kam still und unmerklich. Lande stand immer noch auf dem Gesims, und ihm schien, daß ihm in der ganzen Welt nichts als diese stille, süße Liebe und Liebkosung gefehlt hatte.

Groß und schwarz, kam jemand von der anderen Seite des Grabens heran und fragte: