... Was geht in mir vor? fragte sie sich und biß sich mit launischem Ärger auf die Unterlippe.

„Mir kommt es vor,“ hörte sie plötzlich Landes Stimme, „daß sich die Menschen auf der Jagd nach dem Glück vor einer Tür zusammendrängen, wie die Eingeschlossenen bei einem Brand. Jeder glaubt, sich retten zu können, indem er sich so schnell als möglich, früher als alle anderen, zum Ausgang durchschlägt, aber in dem entsetzlichen Gedränge gehen alle unter.“

„Der Kampf ums Dasein!“ meinte Schischmarjow.

„Es darf keinen Kampf geben!“ erwiderte Lande fest. „Es ist unmöglich, herauszukommen, wenn man einen Haufen Leichen vor sich hochstapelt ... Man muß sich besinnen, stehen bleiben, sich nicht gegenseitig stören, einander aus dem Wege gehen ...“

„Wie jene zwei Franzosen, die sich gegenseitig höflich den Weg freiließen und beide im Schmutz wateten!“ warf Molotschajew mit einer Ironie dazwischen, aus der nicht Spott über Landes Worte, sondern über seine Person herausklang, und lachte kurz auf.

Die Musik begann leise und schwebend zu spielen, als ob sie nach dem vorhergegangenen Wirbelsturm der Töne ermüdet wäre.

„Das ist alles Sentimentalität!“ fuhr Molotschajew brutal fort und hob die Stimme an. „Wo Leben ist, soll es gelebt werden ... Nicht ich habe Schuld, wenn jemand schwächer ist als ich ...“

Er schwieg eine Weile und fügte hinzu:

„Ich werfe ihn in den Dreck, trete ihm auf den Kopf und steige hinüber ...“

Lande schüttelte traurig den Kopf.