„Gehst du noch weit?“ fragte der Bauer mit dumpfer Stimme.

„Weit!“ antwortete Lande.

Der Bauer blickte ihn mit kleinen, raschen Äuglein an.

„So ...“ sagte er, hörte auf zu rudern und starrte aufs Wasser.

„Man sagt, in Sibirien soll viel mehr Raum sein ...“ fing er plötzlich an, als stände das, was Lande gesagt hatte, in Zusammenhang mit seinen alten, zähen Gedanken. „So geht das Volk herum, zu suchen, wo es besser ist ... Das ist ja richtig, man weiß nicht, wo man sich lassen soll, aber so hat es auch keinen Zweck ... Man geht, um Recht zu suchen, und es gibt kein Recht auf der Welt ... Ganz gleich, ob du hier oder da wohnst ... So wie ich zum Beispiel, im Wald ... Du denkst das so, als wäre niemand außer Gott über dir ... Alles kommt von Gott, und du selbst kommst auch zu Gott wieder, und außer ihm hilft dir niemand; aber im Gegenteil, — gleich kommt wer weiß wer, wer weiß wozu und greift zu ... wissen tun wir ja nichts, tappen wie im Dunkel herum; vielleicht muß es auch so sein, wer kann es wissen! ... Seine Gedanken macht sich jeder, aber wer wird sie aussprechen! ... So strengt man das Leben lang seinen Buckel an, rackert sich ab wie eine Schindmähre, ist man aber dazu gekommen, einmal freier aufzuatmen, sich an Gott zu erinnern — paff! und wieder einmal nichts mehr da! Und dann nachher — in die Schenke, was bleibt dir anderes übrig. Es gibt kein Recht, lieber Mann, kein Recht! Und ob hier oder da, alles gleich, die Erde ist überall gleich!“ Die Stimme des Bauers war eintönig, gedrückt, aber aus ihr schrie lautlos die verborgene Sehnsucht einer gemarterten Seele.

„Dieses Rechte liegt im Menschen selbst, und nicht in der Erde,“ antwortete Lande traurig. „Man muß einander lieben und bemitleiden, und das übrige wird schon von selbst kommen!“

Der Bauer lächelte düster.

„Das wissen wir gut, lieber Mann, was kommen wird!“ Er warf es achtlos hin, als bezöge sich das Gespräch auf den Tag, der morgen eintreten muß. „Wie sollen wir aber heute leben, das sage uns erst ... Lieben, meinst du ... Wie kommt man aber zum Lieben, wenn man manchmal bereit ist, sich einander wegen eines Stück Brot die Kehle abzuschneiden! ... Da hast du es.“

Der Bauer schwieg, dann fügte er in tiefem Baß hinzu:

„Die Herrschaften haben gut reden ... Die Herrschaften und die Popen! ... Nein, finde du mal erst das Recht hier!“ und er steckte Lande seine knorrige Faust, die vom Fischpökeln zerfressen war und mit der er das Ruder hielt, entgegen.