Der Tag stieg auf. Sein grelles, unendlich-mächtiges, lebendiges Licht erwärmte das Herz. Lande saß bald, bald lag er unter einem Baum, der leichte goldene Blätter auf ihn streute, und verfolgte gierig das für ihn neue, geheimnisvolle Waldleben. Ihm schien, daß er langsam anfange, es, wenn auch undeutlich, zu verstehen.
Immer tiefere Ruhe überkam ihn; um so schwächer wurde sein Körper.
Er bemerkte diese Schwäche und aß ein wenig; aber die Bissen wollten nicht durch die Kehle rutschen, und nach dem Essen wurde er noch schwächer. Er stand auf, konnte aber kaum den Fuß anheben: eine eigentümliche Mattheit zitterte in seinen Knieen, ihm schwindelte es, der Kopf war schwer und das Herz schlug leise und schwach.
Ich bin krank, dachte Lande, aber ohne sich zu fürchten oder zu wundern, als wenn er es so erwartet hätte. Wahrscheinlich habe ich mich in der Nacht erkältet, ging es ihm mechanisch durch den Kopf, — ich muß hier bleiben. —
Eine undeutliche, ruhige Freude stieg allmählich in ihm auf. — Worüber bin ich froh? — fragte er sich und lächelte sich selbst zu. — Weil ich hier bleiben muß oder über etwas anderes? Ich weiß nicht ... aber wie licht, still und wohl mir ist! ...
Den ganzen Tag lang sah er ohne bestimmte Gedanken, ganz in ein beschauliches, zärtliches Gefühl versunken, vor sich hin.
So viel Licht, Farben, Durchsichtigkeit und Leben zitterte um ihn, daß ihm vor Glück und rührender Sehnsucht die Augen brannten.
Unaufhörlich tönte der Stimmenchor des Waldes über ihm, aber außer stillen Vögeln mit grünen Schwanzfedern, sah er nichts. Nur um die Mittagszeit kam aus dem Walde, hinter dem Gebüsch, ein magerer zottiger Bär hervor. Seine kleinen, schwarzen Äuglein blickten Lande aufmerksam und ernsthaft an. Er setzte sich auf die Hinterfüße, reckte den Hals ein wenig an, seufzte auf und starrte dann wieder auf Lande. Ein Vogel wiegte sich leise auf grünen Zweigen, die sich auf dem Himmel ausprägten. — Gott, wie schön! sagte Lande zu sich, seine Augen wurden feucht.
Der Bär stieß einen sonderbaren, beinahe schluchzenden Laut aus und streckte wieder seinen Hals.
Lieber Kerl! rief Lande, und plötzlich wünschte er sehr, auf den Bär zuzugehen und ihn über das braune, ausgetrocknete Fell, an dem die Zotten herunterhingen, zu streichen. Nur fürchtete er, daß er ihn erschrecken würde. Daß sich der Bär auf ihn stürzen könnte, das kam Lande gar nicht in den Sinn; in seiner Seele war es still und sanft; sie konnte keinen brutalen Gedanken fassen.