Und wieder dachte Mishujew mit zarter Liebenswürdigkeit von ihm: was für eine liebe Seele er ist!

„Ich kenne ihn schon lange, noch von Moskau her ...“ erzählte Podgurski. „Niemand kennt ihn vielleicht so gut wie ich ... Hier habe ich ihn!“

Podgurski streckte seine breite, verschwitzte Tatze aus. Und die Bewegung dieser unsauberen Hand mit den schwarzen, stumpfen Nägeln war so klettenartig und gierig, daß alle unwillkürlich auf sie blickten und selbst Mishujew von einem peinlich bangen Gefühl überlaufen wurde.

„Als noch der alte Parchomenko lebte, hielt er den Sohn unter einem strengen Regiment — er prügelte ihn und gab ihm keinen Groschen ... Er pflegte mit zwei Silberstücken à 20 Kopeken auf den Ladentisch zu klopfen: hier nimm und schere dich fort ... Damals suchte dieser Paschka überall nach Geld, gegen falsche Wechsel natürlich ... Dabei liefen wir uns beide in den Weg. Ich kenne solche prächtige Affären von ihm! Ich müßte nur noch ein Schriftstückchen in die Hände kriegen, dann würde ich bei ihm eine Erpressung anlegen, daß er wie ein Ferkel zu quietschen anfängt!“

„Ist das wirklich notwendig?“ fragte Marussin. Da er Podgurski nur mit Überwindung ins Gesicht sehen konnte, blinzelte er wieder mit den Augen.

„Sie kennen den Kerl nicht, Nikolaj Nikolajewitsch! Das ist ein furchtbares Insekt! Ein Reptil voll Gift! Wer es zertritt, dem werden vierzig Sünden erlassen! Platt wie ein Gummischuh, und von einer Niedertracht, daß es für drei Könige und vier Erzäbte ausreichen würde. Was für eine Grausamkeit in dem Aas steckt! Er hat da irgendwo gelesen, daß Kolonialoffiziere in Afrika Negerweiber auf Bretter nageln ließen und auf sie aus Revolvern um die Wette schossen. Was meinen Sie nun — das wurde seitdem sein Traum! Eine Frau zu kreuzigen. Und einmal tut er es sicher noch ... Als sein Vater im Sterben lag und kein Wort mehr herausbringen konnte, da fühlte sich dieser Paschka Parchomenko vor allen Dingen als Erbe, — er kam ins Schlafzimmer, griff den Sterbenden beim Bart und zerrte daran: Geier, hier hast du eine Belohnung für dein diebisches Leben! ... Und als er die Erbschaft in den Händen hatte, wurde er selber schlimmer als der Alte. Geizig ist der Bursche, wie ein Kettenhund! Dieses Dreckvieh. Millionäre existieren auf der Welt nur, damit man auf ihre Kosten Sekt trinkt; aber dieses Aas taugt nicht einmal zum Sekt!“

„Sie sind wohl fest davon überzeugt, daß Millionäre zu nichts anderem taugen?“ bemerkte Tschetyrjow.

Er fragte es anscheinend zum Scherz, aber alle, und auch Mishujew selbst, fühlten sofort, daß es eine Herausforderung gegen ihn war.

„Und zu was sonst noch, zum Teufel?“ antwortete frech Podgurski, der Tschetyrjows Ton aufgegriffen hatte und offensichtlich einen Skandal hervorrufen wollte.

Opalow blickte Mishujew versöhnlich in die Augen.