Ohne sie anzusehen, zuckte Mishujew hartnäckig mit den Achseln.
Maria Sergejewna schwieg; sie fuhr nur fort, am Taschentuch zu zerren und am ganzen Körper zu zittern; wunderbar zart und elegant hob sie sich auf dem Hintergrund der ungeheuren wogenden Fläche ab.
„Ich halte es nicht mehr aus ...,“ sie sprach schnell und steigerte die Stimme mehr und mehr; „du hast kein Recht, mich zu verachten ... hast kein Recht, mich zu quälen und zu erniedrigen! Wenn ich auch deinen Millionen gegenüber nicht standhalten konnte, wie du behauptest ...“
„Nichts behaupte ich,“ erwiderte Mishujew finster und starrte unverwandt in die Lichtsäule, die mit Milliarden tanzender blauer Sterne in den Wellen glitzerte und am Horizont in ein geheimnisvoll helles, scharf vom finsteren Himmel abgeschnittenes Märchenreich zerfloß.
Wieder schwieg Maria Sergejewna, von qualvoller Ratlosigkeit verwirrt und zerdrückt. Ihr ganzes Wesen empfand, daß er es ihr gegenüber behauptet hatte, trotzdem aber wollte in ihrer Erinnerung kein beweisendes Wort auftauchen. Sie fühlte sich nur in kalter Leere widerstandslos versinken; sie war so schwach und hilflos geworden, daß sie unterging, ohne zu wissen, welch Wort noch gesagt werden könnte, wie und gegen wen sie sich verteidigen müßte.
„Aber du glaubst es ... ich weiß ... und wenn es selbst wäre, so ... Du hast es ja selbst gewollt ... nun gut, ja ... nicht standgehalten! Wollte einmal aus dem Vollen leben ... meinetwegen ...!“ Maria Sergejewna drückte in voller Verzweiflung beide Hände an die Schläfen. „Aber welchen Preis habe ich für diese Millionen bezahlt, sie haben mich meiner Seele beraubt ... ich lernte es, mich als das verworfenste Ding ... Irgend was! Entweder ... oder ... oder ... Wie du willst, kann ich aber nicht mehr weiter ... kann nicht mehr! Ich ...“
Sie verlor sich in ihren Worten; sie schaute nur mit zerbrochenem, kraftlosem Blick in die furchtbare Finsternis des Wassers. Ihre Hände flogen; ihre Lippen bebten.
„Wenn du dich selbst so einschätzst, — — so als das verworfenste Ding — — — welche Stellung soll ich dann zu dir nehmen?“ fragte plötzlich Mishujew, ohne seine glänzenden Augen vom Wasser abzuwenden.
„Ah!“ schrie Maria Sergejewna ganz entgeistert auf, ließ den Pompadour und das Taschentuch, die im Augenblick ins Meer gerissen wurden, fallen, bedeckte das Gesicht mit beiden Händen und ging schnell fort, fast laufend; sie verwickelte sich in ihr langes Kleid, das der Wind sofort erfaßt hatte. Die schlanke Frauengestalt schwankte schattengleich in dem leeren, windigen Raum, der über der finsteren, unaufhörlich am Ufer zerbrechenden Wasserfläche lag.
Mishujew begleitete mit seinen Blicken dieses winzig weiße Stückchen Stoff, das sich über dem Kamm der schäumigen Wellen hoch emporzuheben schien und dann plötzlich in der Schwärze der eingesunkenen kalten Tiefe verschwand.