Es schien, als rächte er irgend etwas an ihr, worunter er selbst unaussprechliche Qualen litt.
Maria Sergejewna verstand den Grund, und so wurden ihre Augen schüchtern und traurig, als wagten sie nicht, um Schonung zu bitten.
„Gehen wir,“ sagte Mishujew kurz, während er die neugierigen Blicke der Umsitzenden scharf auffing, und stand auf.
Sie erhob sich sofort eilig mit ihrer gewöhnlichen, anziehenden Ungeschicklichkeit, die Mishujew früher fast zu Tränen gerührt hatte. Bald verwickelte sie sich in die Spitzen des Rockes, bald ließ sie das Taschentuch, dann den Pompadour fallen, und erschrak jedes Mal in komischer Schüchternheit; schließlich ging sie neben ihm.
Sie stiegen an den Strand hinunter, wo allein die dunkle See und der helle Mond herrschten, und setzten sich am äußersten Ende des Seestegs auf eine Bank. Vor ihnen und zur Rechten und Linken und zu allen Seiten breitete sich die See aus; in dem glänzenden Wasser wirbelte ohne Ruhe eine Säule aus Mondenschein. Ein endloses Tonwogen aus Geräuschen, Plätschern und dumpfen Schlägen gegen die Mole, in der die ganze Zeit hindurch eine kristallene Stimme, die immer lauter klang und doch nicht vernehmbar war, ertönte, schwebte ununterbrochen über der uferlosen, stürmenden Meeresfläche und griff in rätselhafte, traurige Saiten; es rief Erinnerungen und unfaßbare Verzweiflung in der innersten Tiefe der Seele wach. Von Zeit zu Zeit trieb ein elastischer Wind heran, dann prickelten unsichtbare Wassersplitter mit feinem kaltem Staub auf Gesicht und Händen; Schauer durchdrangen die beiden.
Mishujew starrte auf die Mondlichtsäule, die sich im melancholisch-dunklen Wasser drehte, und schwieg. Wie immer, wenn er des Nachts in die Tiefe schaute, zitterte in ihm ganz still ein triebhaftes, schwermütiges Gefühl. Es rührte sich kaum merklich und zwang ihn doch, das zu vergessen, was um ihn war. Alles wurde leer und finster.
„Ich wollte mit dir sprechen, Theodor,“ sagte Maria Sergejewna; vom ersten Worte an tönte aus ihrer Stimme die Furcht heraus, daß er auf sie zornig werden könnte, bevor er sie noch gehört hätte.
Mishujew schwieg; es schien, als vernähme er in dem Geräusch und dem Klatschen der Wellen, die unter der Brücke verrollten, ihre Stimme gar nicht. Am Ufer entlang, soweit es nur im Mondenlicht sichtbar war, legte sich ein blanker Streifen Gischt und schmolz wie Schnee; hinter ihm rückte bereits, prasselnd und schwellend, eine neue Welle heran.
Maria Sergejewna blickte mit Augen voll unsichtbarer Tränen auf Mishujew, stand auf und zerrte krampfhaft am Taschentuch.
„Es ist nicht zum Ertragen!“ sagte sie mit gepreßter, schwacher Stimme; sie fühlte, wie sie ebenso unter der Erniedrigung als unter dem kalten Wind erzitterte. „Weshalb quälst du mich?“