Sie geriet in Hast. Schweigend gingen sie nebeneinander her. Der weiße, kühle Mond und das unaufhörlich rauschende Meer blieben hinter ihnen zurück; ihnen entgegen flog schon ein Schwarm tanzender Töne. Doch immer noch war etwas Fremdes zwischen den Beiden.

Als sie nach Hause fuhren, fühlte Mishujew an seinem Schenkel die Berührung ihres elastischen Körpers, der unter trockenem, sprödem Stoff verschwand, sah ihr feines wie mit lichtlosen Farben gemaltes Profil, den Kopf, wie von einer unerträglichen Last gebeugt und fragte sich, was zwischen ihnen wäre ... zwischen ihm, dem Manne, der sie so viele Jahre hindurch verehrte, ohne daß er gewagt hätte, sich ihre Nacktheit, ihre Liebkosungen in Gedanken vorzustellen, und ihr, der reizenden, gütigen Frau, die ihren stillen Gatten so stark geliebt hatte, sich so einfach, wie eine ältere Schwester, zu ihm selbst verhielt und sich ein so keusches und reines Aussehen bewahrte, trotzdem sie verheiratet war.

II

In heller Sonne erglänzte der Strand wie vergoldet, und selbst das Meer am Ufer schäumig grün, in der Ferne blau, fast lilafarben, schien mit goldenem Glanz überstreut zu sein, Sonne und Himmel atmeten, ferne Berge verschwammen mit den Sommervillen, die außerhalb der Stadt wie verstreutes Spielzeug im Grase auf ihren Abhängen lagen, in weißem Glanz.

Das grellfarbige Publikum des Badeortes schob sich über die Strandpromenade, bog breit wie ein Strom an dem ovalen Kurgarten um und leuchtete so wandlungsreich bunt, daß es unmöglich war herauszufinden, woher alle diese hellen Kleider, Hüte, Beine, Schultern und Gesichter mit den lebhaften Augen kämen. Es sah aus, als vergrößere sich die Menge ganz von selbst, wie ein schnell wachsendes Blumenbeet. Wirbelndes Sprechen, Lachen und Klingen verflocht sich schrill über den Köpfen und verband sich mit den Wellenschlägen an den Quadersteinen, dem schnellen Gerassel der Equipagen und dem deutlichen Trommeln der Hufe zu einer liebenswürdigen Musik.

Maria Sergejewna und Mishujew fuhren in einem leichten Jaltaer Wagen über die Strandpromenade, und der weiße Schleier, der von Maria Sergejewnas Hut herabwehte, schwirrte schnell an Pferdeköpfen vorbei, zwischen würdevollen Kutschern und dem auseinanderfließenden Zuge von Schirmen und Hüten.

Vor einem Laden, in dessen Schaufenstern kapriziöse Damenhüte wie exotische Vögel und Blumen prangten, hielt der Wagen plötzlich an, als wenn er an eine unsichtbare elastische Barriere gestoßen hätte. Leicht und schnell, wie vom Wind getragen, sprang Maria Sergejewna vom Tritt der Equipage direkt in die dunkle Tür des Ladens hinein.