Tja ... dachte Mishujew, unbeweglich auf die bunte Menge starrend. Sie wird auch ohne mich fertig werden. Wird das bisherige festliche Leben führen, nichts entbehren, nur Lust und Freude suchen.

Ihm schien, daß sie einen anderen Mann finden müsse, den sie so wie einst ihn lieb gewinnen kann, der sie aber aufrichtig und mit dem Gefühl des Dankes, mit warmer, inniger Achtung liebt. Doch aus irgend einem Grunde konnte er sich diesen anderen nicht vorstellen; statt dessen stieg vor ihm bald das schwarzbärtige, runde Gesicht Parchomenkos bald die hängende Unterlippe des Börsianers auf.

Auch das ist möglich, dachte Mishujew — sie hatte die reine, aufrichtige Liebe zu ihrem Mann, sie tauschte sie gegen mich ein, weil ich ihr neue Eindrücke, die Möglichkeit eines sorgenlosen, lustigen Lebens gab. Jetzt wird es ihr schwer sein, zum früheren zurückzukehren ... sie muß in dem neuen Gleise bleiben ... Und sie wird fröhlich sein, sich glücklich hingeben, lachen, sich schön kleiden ... Bis das Leben selbst erblaßt und in Leere aufgeht ... Es ist doch schade! ... Aber ich allein bin schuld ... Na, schön ... Ich werde leben, wie ich schon gelebt ... es wird öde, widerwärtig, einsam zugehen! Leer ...

Die Messinghuppe fing zu brüllen an. Die Luft erzitterte, das Verdeck zitterte, und eine Minute lang schien es, daß auch das Meer und der Himmel unter dieser unmenschlichen Stimme, die in den Bergen widerhallte, erbebten. Auf dem Verdeck schrie man, man bewegte sich und schwenkte die Tücher.

Maria Sergejewna wurde blaß, und in ihren dunklen Augen drückte sich unterwürfige Trauer aus. Mishujews Herz zog sich zusammen. Beide fühlten in diesem letzten Augenblick die hoffnungslose, traurige Zärtlichkeit.

Man konnte den Moment nicht bemerken, in dem der Dampfer abstieß, nur der trübe, grüne Wasserstreifen wurde plötzlich breit und wuchs zwischen der nassen Steinumfassung der Mole und dem schwarzen Borde schnell an.

Mishujew stand auf dem Verdeck und schaute lange aus, um unter der Menge die schlanke, winderfaßte Gestalt Maria Sergejewnas zu finden. Der Dampfer fuhr mit voller Geschwindigkeit, und die Gischtkronen der freien Wellen zeigten sich zwischen ihm und dem Ufer. Der Kai wurde immer kleiner und kleiner, aber lange noch sah Mishujew die in der Richtung des Dampfers hergehende, helle, weibliche Gestalt, deren Kleid der sonndurchstrahlte Wind hin und her zerrte und hochhob.

Ihre Gesichtszüge konnte er nicht mehr erkennen ... nicht mehr sehen, ob sie steht oder geht. Nur ein kleines, helles Fleckchen schmiegte sich an die lange, graue Steinwand, mitten im Wind, den rollenden Wellen und dem weißen Gischt, den der Wind von ihren Köpfen reißt.

Immer kleiner und kleiner. Und als das Städtchen, und der Kai, und das kleine, weibliche Figürchen zu einem Panorama, das wie Spitzenwerk durchleuchtet war, zusammenflossen, stach ein scharfer Schmerz tief in sein Herz; er fühlte sich in der ganzen Welt allein.

Abgebrochen war das frühere Leben; es verschwand für immer in der blauen Vergangenheit. Vor ihm breitete das leere, bewegliche Meer, hebend und fallend, seinen windigen, kalten Raum aus.