Die Angestellten, die gut gekleidet und frisiert an den Tischen saßen, erhoben sich eilig und schweigsam von ihren Plätzen und verbeugten sich vor ihm. Mishujew nickte flüchtig mit dem Kopf. Viele von ihnen kannte er garnicht; er hatte absolut keine Ahnung, ob er sie schon früher einmal gesehen hatte. Allein der Prokurist, ein kahlköpfiger Greis mit einem Gesicht, das halb wie ein zerknüllter Rubelschein, halb wie das eines Heiligenbildes aussah, begrüßte ihn mit den Worten:

„Wünsche Glück zur Ankunft, Fjodor Iwanowitsch! ... Ihr Herr Bruder sind im Arbeitszimmer, warten schon lange auf Sie. Ist Ihnen die Reise gut bekommen?“

Mishujew lächelte unwillkürlich: er dachte, daß es doch eine ziemlich bescheidene Reise war — von Moskau nach der Krim und zurück — erinnerte sich dann aber, daß für den alten Mann, der sein ganzes Leben lang in diesem Kontor gesteckt hatte, schon ein solche Reise märchenhaft bedeutend sein müßte.

„Danke schön. So, so,“ sagte er kühl und doch liebenswürdig und ging nach einem flüchtigen Händedruck weiter.

Sein Bruder, Stepan Iwanowitsch Mishujew, saß tief gebeugt über dem großen, grabmalartigen Tisch und schrieb, während er mit seiner linken Hand auf einem schweren Rechenbrett hantierte. Das blasse bläuliche Licht vom Fenster glänzte matt auf seinem breiten kahlgewordenen Schädel. Das ganze Zimmer war dunkel, schwer und langweilig wie ein riesiges Einnahme- und Ausgabebuch, zwischen dessen Blättern ein Mensch herumkrabbelt. Als Mishujew eintrat, erhob der Bruder die Augen, und er sah die ihm bekannten, kühl-unzufriedenen Blicke. Unbehaglich berührte ihn der Gesichtsausdruck dieses Menschen, der dem Eintretenden, ohne zu wissen, wer es ist, bereits einen feindselig-geschäftlichen Blick entgegenwirft. Als Stepan Iwanowitsch genauer hinsah, verzogen sich seine Lippen geizig zu einem matten Lächeln.

„Ah, endlich gekommen!“ sagte er und erhob sich.

Die Brüder küßten sich.

Stepan Iwanowitsch war ebenso groß und schwer wie sein Bruder, aber sein Gesicht war gelb, ungesund, unter den Augen hingen ihm welke Beutel, und seine Stimme war so schwach und blaß, als ob er bis auf den Tod ermüdet wäre.

„Ich bin sehr froh, daß du gekommen bist,“ begann Stepan Iwanowitsch, als sie sich gegenüber saßen und Zigarren angezündet hatten, von denen er sich niemals trennte: — „Froh aus verschiedenen Gründen. Erstens wünschte ich natürlich, dich zu sehen, dann ist deine Gegenwart überhaupt nötig, weil es mit der Fabrik miserabel steht. Außerdem habe ich noch eine persönliche Angelegenheit ... Aber darüber später!“

Stepan Iwanowitsch wandte für einen Moment den Blick ab und verzog die Lippen wieder zu der geizigen Nachahmung eines Lächelns.