„Du hast wohl aus den Zeitungen gehört, daß die Fabrik nun die zweite Woche still steht. Die Forderungen werden dir wahrscheinlich auch schon bekannt sein?“
„Ja, ich weiß es ...“ erwiderte Mishujew kurz.
„Und?“
Stepan Iwanowitsch richtete einen forschenden, kühlen Blick auf ihn; Mishujew hatte unwillkürlich die Empfindung, daß hier nicht ein Bruder mit dem Bruder spräche, sondern ein Chef mit irgend einem Mitinhaber der Firma konferierte. Er wäre am liebsten nicht mehr auf diese Angelegenheiten, über die schon lange ohne Erfolg und mit noch geringerem Verständnis hin und her geredet wurde, eingegangen. Aber Stepan Iwanowitsch wartete, und so antwortete er mit Selbstüberwindung:
„Hm. Ich finde sie in vielen Punkten ganz berechtigt.“ Unwillkürlich blinzelte er mit den Augen und wandte den Blick ab, weil er fühlte, wie feindselig Stepan Iwanowitsch die Ohren spitzte. Der fuhr fort, den Bruder forschend anzublicken und schwieg lange, als ob ihm die Anstrengung viel Mühe kostete.
„... Schön. Und sage mir bitte, machst du es dir klar, daß uns diese Forderungen bei der heutigen Marktlage ruinieren?“
„Davon spreche ich nicht,“ erwiderte Mishujew widerwillig; — „ich stellte nur ihre Berechtigung fest und weiter nichts. Ob sie für uns vorteilhaft sind oder nicht — das ist etwas anderes.“
„Ja,“ erwiderte Stepan Iwanowitsch trocken, „ganz etwas anderes; aber ich glaube, gerade daran sollte man in erster Linie denken.“
Mishujew seufzte, als ob sich eine überaus verdrießliche Last auf ihn wälzte, hielt sich aber zurück und sagte mit absichtlich nachgiebiger Stimme:
„Ja, gewiß. Nur scheint es mir, daß auch die Frage nach der Berechtigung dieser Forderungen nicht ganz nebensächlich ist. Eins von beiden: entweder sind sie unberechtigt, dann kann man sie nur vom Standpunkt des Kampfes aus betrachten, oder sie sind berechtigt; in diesem Fall müßten wir doch auch an ihre Befriedigung denken.“