Er gab sich Mühe, ruhig zu bleiben; er hatte den festen Wunsch, jeden Streit zu vermeiden, aber schon beim Sprechen fühlte er die bekannte drückende Aufregung. Er sah, daß sein Bruder, wie immer, einzelne seiner Worte heraushörte, von den anderen aber, gerade die, welche ihn selbst am meisten erregten, als ganz unnötig und überflüssig außer acht ließ.

Stepan Iwanowitsch schwieg eine Weile und fuhr fort, ihn mit seinem kalten, fremden Blick zu fixieren. Dann seufzte er, wandte die Augen ab, klopfte mit den Fingern gegen die Tischkante und sagte mit gezwungener Miene:

„Nun, gut. Wir werden später weiterreden. Du bist gewiß von der Reise ermüdet. Hast du gefrühstückt?“

„Noch nicht.“

„Dann wollen wir zu mir hinaufgehen,“ — Stepan Iwanowitsch erhob sich schwer von seinem Platz.

Die Wohnung, die er inne hatte, war klein. Es war eigentümlich auffallend, daß in dem ganzen riesigen luxuriösen Haus nur ein Winkelchen wirklich ihm, seiner Ruhe, seinem Schlaf und seinem Körper gehörte. Überall sonst, oben, unten und an allen Seiten lebten und wimmelten wie Bienen in den Zellen eines riesigen Stockes fremde, unbekannte Menschen, von denen viele garnicht einmal wußten, wie dieser Stepan Iwanowitsch Mishujew aussieht, und ob er in Wirklichkeit existiert und nicht lediglich ein abstraktes Symbol darstellt.

Das Speisezimmer glänzte kühl in schwerer Eiche, und machte durch das weiße Tischtuch, die weißen Gedecke und das weiße Licht, das aus den Fenstern hereinströmte, einen eisigen, toten Eindruck.

„Nun, bist du gut gefahren?“ fragte Stepan Iwanowitsch und bemühte sich noch mehr, seine trockenen Lippen liebenswürdig zu verziehen und möglichst sanft auszuschauen. Er liebte seinen Bruder und bemitleidete ihn als kranken Phantasten.

„Nicht übel.“

„Und wo steckt deine Maria Sergejewna jetzt?“ Stepan Iwanowitsch lächelte, ohne Mishujew ins Gesicht zu sehen.