„Dort geblieben ... vorläufig ...“ sagte Mishujew; plötzlich stach ihm etwas schmerzlich durchs Herz. Irgendwo fern — fern sah er die kleine verlassene Frau, die er liebte, die ihn liebte und die jetzt aus irgend einem Grunde von seinem Leben für immer getrennt war, ihm fremd wurde, als hätten sie niemals einander geliebt und geliebkost und sich aneinander mehr als an allem in der Welt gefreut.

In diesem Augenblick konnte Mishujew nicht begreifen, warum es dazu kommen mußte. Alles, was ihm damals entsetzlich und unerträglich schien, kam ihm jetzt kleinlich und hergesucht vor, schwebte vor seinem Auge wie ein trüber, sinnwidriger Fleck. Aber doch fühlte er, daß es nicht anders sein konnte. Er nahm sich zusammen und begann, während er sich anstrengte, das Nagen an seinem Herzen nicht zu bemerken, vom Süden zu erzählen und sich nach Moskau zu erkundigen.

Die beiden Brüder saßen sich, schwer und groß, gegenüber; sie schienen auf den Boden und alles, was darunter wimmelte, mit furchtbarer Last zu drücken. Das kühle weiße Licht glänzte grell auf dem Parkett und der Emaille des Geschirrs; gelbblitzend funkelte der Wein; es sah aus, als strahlte inmitten des grauen, nassen Tages in ihm allein die fröhliche Sonne.

Es wurde wärmer, und das Gespräch kam leichter in Fluß. Mishujew kreuzte die Arme auf dem Tischtuch, und Stepan Iwanowitsch lehnte sich zurück und erzählte:

„Mir ist hier eine kleine unangenehme Geschichte passiert, und da du in derartigen Dingen erfahrener bist als ich“ — Stepan Iwanowitsch lächelte ungeschickt — „so möchte ich dich um Rat bitten.“

Mishujew blickte ihn neugierig an.

„Siehst du, da war bei uns ein Mädchen als Kassiererin eingetreten, jung und sehr hübsch. ... Du wirst sie sehen, weil ich dich bitten möchte, zu ihr hinzufahren.“

Stepan Iwanowitsch zündete sich eine Zigarre an, runzelte die Beutel unter seinen Augen: Und blinzelte durch den Rauch. Ihm war es offenbar peinlich; er fühlte sich lächerlich.

Mishujew sah ihn mit lustiger Verwunderung an. Ein junges hübsches Mädchen, keine Kokotte, keine Sängerin — das ließ sich so schlecht mit der Person Stepan Iwanowitschs in Einklang bringen, daß man glauben konnte, er scherze nur.

„Und um was handelt es sich?“ fragte Mishujew; er bemühte sich, dem Bruder seine Verwunderung nicht merken zu lassen.