Und nach kurzem Schweigen fügte er hinzu:

„Wollen wir von etwas anderem sprechen?“ Eine schmerzliche Regung stieg in der Seele Mishujews auf; ein alter Gedanke rührte sich in ihm. Das Bild eines kleinen heiteren Weibes wurde trübe und zerfloß. Er seufzte schwer, seine Augen blickten so vertieft und krank, wie bei Menschen, die den Tod in sich tragen.

XIII

Es war schon gegen Abend, als Mishujew ausfuhr; der erste Frühschnee, der an einigen Stellen zu Wasser zerschmolz, an anderen, meist an Zäunen und auf Grasstreifen wie zarte weiße Flecke hängen blieb, war gefallen. Schnee und Wasser schienen in ihrer Vermischung tiefer und jünger; das Wasser schwärzer, der Schnee weißer. In den Straßen lag der Hauch junger, frischer Kühle, die Glocken auf allen, schon unsichtbaren Kirchen begannen zum Nachtgebet zu läuten, als ob ganz Moskau mit klangreicher Messingstimme dröhne und singe. Aus alledem strömte die Empfindung von Stärke und Kraft wie eine freudige Welle in den Kopf Mishujews, der von dem langen Gespräch mit dem Bruder abgespannt war. Seine vorzüglichen Pferde fuhren ihn an den schwarzen Seen vorbei, die sich weißgerändert an allen Straßen gebildet hatten und in denen Reflexe goldener Feuerchen spielten, durch die Straßen, an deren Seiten unaufhörlich eine fröhliche, belebte Menge entlang zog. Auch Mishujews Herz weitete sich in fröhlicher ungeduldiger Erwartung.

Er sah Nikolajew mit seiner breitschultrigen energischen Gestalt vor sich, der gemütvollen herzlichen Stimme und den widerspenstigen blonden Locken. Er empfand die Freude der Begegnung im voraus; die lebhaften Fragen und Antworten, dann das herzliche, „echte“ Gespräch, in dem vieles Schwere und Schmerzliche zum Ausdruck kommt und vergeht. Mishujews Mienen wurden fröhlicher, er fühlte sich so groß und kräftig, wie seit langem nicht mehr.

Aber es berührte ihn unangenehm, als er in dem Vorraum zu Nikolajews Wohnung Überzieher und Hüte hängen sah und hinter der Tür zum Saal eine glänzende weibliche Stimme, die die Arie aus einer Oper vortrug, vernahm. Klavierbegleitung ertönte, durch die Türspalten zog ein Strahl duftigen Zigarrenrauchs und weiblicher Parfüms heraus. Mishujew blieb eine Weile stehen. Er hatte garnicht bedacht, daß Nikolajew in dieser Zeit nur schwerlich allein anzutreffen war, und daß es möglicherweise garnicht zu einem Wiedersehen mit herzlichen Gesprächen, deren Erwartung ihn freudig erregte, kommen werde. Aber gerade da wurde die Tür stürmisch aufgerissen und Nikolajew trat mit breiten Schritten, im blauen Hemd und weiten Pluderhosen, wie ein echter Wolgaräuber, heraus.

„Fedja! Ah! Guten Tag, mein Täubchen! Wo hast du die ganze Zeit gesteckt?“ schrie er, daß es durch das ganze Haus dröhnte, und packte ihn fest an der Hand. — „Warum siehst du so grün aus?“