Nur von der Moskwa her war noch ein Zugang freigeblieben, und von dort zogen in unaufhörlichen, ungeordneten Haufen immer neue Arbeiter heran.

Mishujew, den man telephonisch gerufen hatte, kam in einer einspännigen Droschke herbeigeeilt, und fuhr direkt in den Hof hinein. Er sah blaß aus und seine Lippen zitterten. Er war ganz plötzlich geweckt worden, so daß ihm keine Zeit geblieben war, zu überlegen, was er tun könne. Er fühlte nur den energischen Willen, alles in Ordnung zu bringen, und den Glauben, daß es ihm gelingen würde. Er verstand, daß er, wenn es überhaupt möglich wäre, auf die Arbeiter einzuwirken, der einzige sei, der in Betracht käme. Und zu dem Gefühl banger nervöser Aufregung gesellte sich das sichere Bewußtsein, daß die Arbeiter ihm folgen werden, und daß er die nahenden Greuel einer Zerstörung abwenden kann.

Schon in der Ferne hörte er das wachsende vielstimmige Brausen, das nur durch einzelne scharfe Ausrufe unterbrochen wurde. Als das Pferd in vollem Trabe ums Tor bog, betäubte ihn furchtbarer Lärm. Er sah eilig über die schwarze Masse der Köpfe und die roten Mauern des Gebäudes, aus dessen gesamten Fenstern Hände hervorgestreckt und geschwenkt wurden, erhob sich in der Droschke, die unter seinem Gewicht knarrte, und ließ sich dann wieder schwer niederfallen.

Bei seinem Erscheinen sank plötzlich der Lärm, und nur in den hinteren Reihen ertönte noch dumpfes Murren und einzelne Ausrufe. Auch aus den Direktionsfenstern wurde er bemerkt, und zwischen zwei Schutzleuten, die auf den obersten Steinstufen standen, erschien, blaß und kopflos, der Fabrikdirektor Schanz.

Eine plötzliche Welle riß Mishujew fort. Er ging rasch die Steinstufen hinauf, nahm den Hut ab und schwenkte ihn. Es wurde still, eine Menge roter, aufmerksamer, junger und alter Gesichter blickten ihn schweigend von unten an. Man konnte nur noch hören, wie in den hinteren Reihen und auf der Straße etwas aufbrauste und wie Wellenschlag auf- und niederwogte.

„Meine Herren,“ rief Mishujew laut und energisch, mit dem Gefühl, daß er gehört werden würde, „ich bin soeben zurückgekehrt und kenne die Angelegenheit nur in allgemeinen Zügen. Ich gehe sofort zu den Verhandlungen mit den Mitinhabern und der Direktion, und ich bitte Sie, bis zum Schluß dieser Verhandlungen nichts zu unternehmen. Glauben Sie mir? Ja? Einverstanden?“

Noch bevor in der Menge dröhnende Zurufe des Einverständnisses erschollen, winkte jemand im dritten Stock der Fabrik mit etwas Weißem, und Mishujew begriff instinktiv, noch ehe er genauer sehen konnte, wer es war, daß er dadurch gegrüßt werden sollte. Sein Herz wurde warm und freudig, voll stürmischen Verlangens, alles zu ordnen.

Ihretwegen.

Er ging schnell ins Haus ... in den Ohren trug er die tausendstimmigen Zurufe der veränderten freudigen Gesichter.

Als er in das Kontor eintrat, fiel ihm zunächst das kahle, mürrische Gesicht Stepan Iwanowitschs auf, der am Tisch saß. In seinen Mienen lag eine eigentümliche Mischung von Feindseligkeit, Verdruß und Hohn. Er sah den Bruder fast gar nicht an. Mishujew dagegen fesselten seine Mienen. Er bemerkte die anderen kaum und ging direkt auf den Bruder zu. Stepan Iwanowitsch hob kühl die Augen.