„Fürchtet er wirklich Tschetyrjow,“ dachte Mishujew mit grenzenlosem Staunen.

Er wußte, daß Tschetyrjow von vielen höher geschätzt wurde als Nikolajew, hätte aber niemals in Gedanken zugegeben, daß es für diesen irgend eine Bedeutung haben könnte. Ihm war der Gedanke an Neid und Feindseligkeit gegen einen Rivalen bei Nikolajew geradezu qualvoll, und er versuchte, sich aus diesem Argwohn selbst einen Vorwurf zu machen. Aber im selben Moment begegnete er dem Blick der grauen Augen, die gierig und unruhig auf Nikolajew ruhten und dachte mechanisch:

Diese Frau liebt ja Nikolajew nur, weil er berühmt ist ...

Dieser unerwartete Gedanke schnitt ihn schmerzlich durch das Herz. Aber die grauen Augen waren sofort wieder hell, zärtlich und eindringlich, und Nikolajew scherzte wie früher, lachte und seine Reden klangen dahinstürmend, wie immer. Mishujew konnte trotzdem die frühere Stimmung nicht mehr wiederfinden, als ihn die Pferde durch die leer gewordenen Straßen des schlafenden Moskau trugen. Mit finsteren Augen verfolgte er die schwarzen, im Laternenlicht schwankenden Gestalten der Prostituierten, die einsam an den Bürgersteigen standen; in seiner Seele wälzte sich schwer und ungelenk ein kranker, unheimlicher Gedanke.

XIV

Auf dem weißen Schnee als Hintergrund erschienen die untersetzten, verräucherten Fabrikgebäude, die schwarzen Schornsteine und Zäune und die Menge selbst, die sich wütend und zum Widerstand bereit auf dem Fabrikhof und den benachbarten Straßen hin- und herschob, grauschwarz, als ob sie sich im Schmutz gewälzt hätte.

Die Fabrik war in der Gewalt des Streikkomitees. Der Hof schien im Gewimmel der dichten Menge von Köpfen, der roten aufgeregten Gesichter und bewegten Arme, wie lebendig. Von der Direktion requirierte Truppen und Polizisten hatten sich in regelmäßigen grauen und schwarzen Linien an den beiden Straßenseiten aufgestellt; man sah schon von weitem, wie die Pferde unruhig die Köpfe schüttelten und graugekleidete Offiziere über den Schnee liefen.