XI

„Wollen wir zu mir gehen, um des in Gott entschlafenen treuen Knechtes zu gedenken,“ sagte Iwanow feierlich zu Ssanin.

Ssanin nickte schweigend mit dem Kopf.

Im Vorbeigehen kauften sie in einem Laden Wodka und einige Kleinigkeiten zum Essen und holten dann Jurii Swaroschitsch ein, der langsam mit gesenktem Kopf den Boulevard entlangschritt.

Der Tod Semionows hatte auf Jurii trübe und niederdrückend eingewirkt; es schien ihm ganz unmöglich, sich damit abzufinden.

— — — Ja, das ist so; das alles ist sehr einfach. — — — Jurii versuchte in seinen Gedanken eine gerade und kurze Linie zu ziehen. Der Mensch existiert nicht früher, als bis er geboren ist und niemandem scheint das entsetzlich und unbegreiflich. Der Mensch wird nicht mehr sein, wenn er gestorben ist, und das ist gerade so einfach und verständlich. Der Tod als völliges Stehenbleiben einer Maschine, die die Lebenskraft produzierte, ist vollkommen natürlich, und es gibt nichts darin, was Entsetzen einflößen könnte. Es gab einen Jura, der einst aufs Gymnasium ging, seinen Feinden in der Sexta die Nasen blutig schlug und Distelköpfe mit Stöcken abhieb. Er besaß ein eigenes und wunderbar kompliziertes Leben. Dann ist dieser Jura gestorben, und jetzt geht an seiner Statt ein ganz anderer Mensch herum, der Student Swaroschitsch. Könnte man diese beiden gegenüberstellen, so würde Jura nicht imstande sein, Jurii wiederzuerkennen. Ja, er würde sogar gegen ihn einen instinktiven Haß empfinden, wie gegen einen Menschen, der sein Repetitor werden soll und ihm noch eine Menge Unannehmlichkeiten bereiten kann. Folglich liegt zwischen ihnen eine breite Kluft, folglich ist der Junge Jura wirklich gestorben ... ich selbst bin gestorben, und habe es bis jetzt noch nicht einmal bemerkt.