— — — Was ist das für Einer, fragte er sich und konnte lange nicht ins Reine kommen.

Ihm war es unangenehm, daß da mit einem Mal ein Mensch aufgetaucht war, der sich von ihm nicht in eine Formel fassen ließ; deshalb wünschte er unbedingt, über ihn aburteilen zu können.

Ein Phraseur, dachte er mit häßlicher Freude. Einst posierte man mit Lebensverachtung, mit höheren, unverstandenen Aphorismen und jetzt erlangt die Pose der Bestialität ihre Geltung.

Jurii lenkte seine Gedanken von Ssanin ab und begann sich mit sich selbst zu beschäftigen. Er überlegte, daß er sich niemals in Pose stelle, sondern daß sein Leiden, wie jeder seiner Gedanken ganz originell und keinem ähnlich sei. Das war angenehm, aber es fehlte ihm noch etwas und so begann er sich wieder des verstorbenen Semionow zu erinnern. Es machte ihn traurig, daß er den kranken Studenten niemals wiedersehen würde; dieser Semionow, der ihm garnicht besonders gefallen hatte, stand ihm mit einem Male nahe und wurde ihm teuer. Es rührte ihn zu Tränen.

Jurii stellte sich den Studenten vor, wie er im Grabe liegt, mit verfaultem Gesicht, mit einem Körper voller Würmer, die langsam und ekelhaft in dem zerfallenden Brei, der von einer grünen und feuchten Studentenuniform eingeschlossen wird, herumwimmeln.

Und vom Ekel durchrüttelt, erinnerte er sich der Worte des Toten.

— — — Ich werde liegen und Sie werden hier vorbeigehen und an meinem Grabe irgend eines Bedürfnisses wegen stehen bleiben ...

Auch das waren doch alles Menschen, dachte Jurii mit Entsetzen und starrte auf den fetten Straßenstaub herunter. Ich gehe und trete auf Gehirne, Herzen und Augen. Eh! — — — er fühlte mit einem Mal eine widrige Schwäche in den Knieen.

Ich werde auch sterben, werde es auch, — und über mir wird man ebenso hinweg schreiten und sich dieselben Gedanken machen, wie ich jetzt. Ja, man muß leben, solange es noch nicht zu spät ist. Es ist schön zu leben, aber nur so, daß kein Augenblick ungenützt vorübergeht.

Doch wie soll man das tun? — —