... Aber nicht nur er allein, nein, alle lügen, sagt man, dachte Ljalja verwirrt ... Alle, alle freuten sich ja über meine Heirat und sagten, er ist ein guter, anständiger Kerl. Und nein, sie logen auch nicht ... Sie hielten das einfach nicht für schlecht ... Wie gräßlich.

Ljalja war es widerwärtig, die gewohnte Umgebung, die ihr Gestalten in die Erinnerung warf, welche ihr jetzt unerträglich schienen, vor Augen zu haben. Sie preßte ihr Gesicht an die Fensterscheiben und begann durch Tränen hindurch in den Garten zu blicken.

Draußen war es trübe; es rieselte ein loser Regen, doch in starken Tropfen, nieder. Die fallenden Tropfen klopften hart gegen die Scheiben und rollten dann rasch hinunter; Ljalja wurde es schwer, zu unterscheiden, wann es ihre Tränen, wann es diese harten Regentropfen waren, die ihr die Aussicht in den Garten benahmen. Im Garten war es feucht; die herabhängenden Blätter waren naß und bewegten sich traurig. Selbst die Baumstämme hatte die Nässe geschwärzt und das feuchte Gras neigte sich demütig zur Erde.

Ljalja schien es, daß ihr ganzes Leben voller Unglück, ihre Zukunft hoffnungslos, ihre Vergangenheit grau sei.

Das Dienstmädchen kam herein, um sie zum Tee zu rufen, doch lange Zeit verstand Ljalja nicht ein Wort. Später im Eßzimmer schämte sie sich, als sie der Vater ansprach. Ihr kam es vor, wie wenn er in seine Stimme ein besonderes Mitleid legte. Alle mußten es bereits wissen, daß sie dieser Mann, den sie liebte, schmutzig und gemein betrogen hatte.

Aus jedem Wort hörte sie das verletzende Mitleid heraus. Bald lief sie wieder in ihr Zimmer. Wieder setzte sie sich ans Fenster und wieder fing sie an, nachdenklich in den rinnenden, grauen Garten zu blicken.

... Warum heuchelt er, — warum hat er mich so tief beleidigt? Bedeutet es, daß er mich nicht liebt? Nein, Tolja liebt mich, so wie ich ihn. Und worum handelt es sich eigentlich? Gewiß, er hat mich betrogen. Schon früher liebte er irgendwelche andere, niedrige Frauen und sie liebten ihn. — Ob so wie ich, fragte sie sich mit naiver und brennender Neugierde. Welch ein Unsinn — was geht mich das jetzt noch an. Er hat mich ja mit ihnen verwechselt und nun muß alles zu Ende sein. Wie arm, wie unglücklich bin ich. Aber nein, es ist ganz meine Sache. Er betrog mich doch. Und, wenn er es gestanden hätte. Aber nein — ganz gleich; — es bleibt mir widerwärtig. Er hat schon andere ebenso geliebkost wie mich, sogar mehr — das ist entsetzlich. Ich bin sehr unglücklich.

Ein Fröschlein aus dem Grase quäkt,

Wobei es seine Beine streckt,

Ljalja sang in Gedanken den alten Kindervers vor sich hin, während sie auf einen kleinen grauen Knäuel starrte, der ängstlich über den glitschrigen Weg sprang.