Das Liegen auf der linken Seite wurde ihm bald ebenso unbequem. Wieder warf er den verschwitzten, klebrigen Körper, in das zusammengepappte, brennende Laken verwickelt, herum. Es war drückend heiß und unbequem. Der Kopf begann ihm zu schmerzen.
— — — Die Keuschheit mag ein Ideal sein, aber die Menschheit würde zugrunde gehen, wenn man es verwirklichen wollte ... Und darum ist es ein Unsinn. — — — Jurii seufzte verzweifelt. — — — Ja dann, dann ist das ganze Leben ein Unsinn, schrie Jurii fast brüllend heraus und preßte vor Grimm so fest die Zähne aufeinander, daß vor seinen Augen goldene Kreise aufschwirrten.
Und bis tief in das Morgengrauen hinein wälzte er in schwerer, unbequemer Lage, die Seele voll dumpfer Verzweiflung, mächtigen Steinblöcken gleich, harte und widerständige Gedanken in seinem Kopfe. Endlich, um sich von ihnen zu befreien, begann er sich einzureden, daß er selbst ein schlechter, wollüstiger und egoistischer Mensch sei und sein ganzes Zweifeln nichts als unterdrückte Lüste wäre. Das jedoch legte auf seine Seele nur schwerere Lasten, entfachte in seinem Gehirn ein wildes Durcheinander der verschiedenartigsten Vorstellungen und die ganze verzweifelte Anspannung löste sich zuletzt in der Frage aus: — — — Aber warum eigentlich muß ich, gerade ich mich so quälen? ...
Mit überreiztem Ekel vor jedem Denken und Ueberlegen schlief Jurii in dumpfer nervöser Uebermüdung ein.
XIV
Ljalja weinte in ihrem Bett noch so lange, bis sie, das Gesicht tief in die Kissen vergraben, endlich einschlief. Am nächsten Morgen stand sie mit schwerem Kopf und geschwollenen Augen auf. Ihr erster Gedanke war, daß sie nicht mehr weinen dürfe, da Rjäsanzew zum Mittag kommen werde; es mußte ihm unangenehm sein, wenn sie ein verweintes, häßliches Gesicht hätte. Doch gleich darauf dachte sie wieder, daß es ja gar nicht mehr darauf ankäme, weil doch alles zu Ende sei. Sie empfand einen scharfen Schmerz, als sie dachte, daß Rjäsanzew sie nicht mehr lieben könne und weinte von neuem. Wie häßlich, wie abscheulich, flüsterte Ljalja in dem Gefühl, von bitteren, noch nicht frei gewordenen Tränen erstickt zu werden ... Warum, warum ist das ..., fragte sie sich beharrlich und in ihre Seele legte sich eine Traurigkeit über das für ewig vergangene, nicht mehr wiederkehrende Glück, die keinen Ausweg vor sich sah.
Es war ihr unerklärlich, wie Rjäsanzew sie so leicht und ununterbrochen belügen konnte.