Als er schon im Bette lag und sich vergebens zu schlafen bemühte, erinnerte er sich Rjäsanzews und Ljaljas.

„Warum ist es einem eigentlich empörend, daß Rjäsanzew Ljalja nicht als erste und Einzige liebt?“

Seine Gedanken wollten darauf keine Antwort geben, aber vor ihm stieg das Bild Sina Karssawinas auf. Von stiller Zärtlichkeit umflossen, liebkoste es sein Gehirn unsagbar wohltuend. So sehr er sich auch Mühe gab, die traditionelle Empfindung zu unterdrücken, wurde es ihm doch klar, warum er selbst danach verlangte, daß sie rein und unberührt sei.

„Aber ich liebe sie ja!“ kam es Jurii zum ersten Mal ins Bewußtsein, und diese leise Regung verdrängte alle anderen. Dieser einfache, klare Gedanke trieb Tränen der Rührung in seine Augen ...

Doch im nächsten Augenblick fragte sich Jurii schon mit bitterm Hohn: Aber mit welchem Recht liebte ich dann andere Frauen vor ihr. Allerdings wußte ich noch nichts von ihrer Existenz, aber ebensowenig wußte Rjäsanzew etwas von Ljalja. Und seinerzeit glaubten wir beide, daß diejenige Frau, die wir im Moment zu besitzen wünschten, grade die Echte wäre, die, welche zu uns am besten paßte. Wir hatten uns geirrt, das sahen wir später ein, als wir stets wieder Andere liebten; aber vielleicht irren wir uns dann auch dieses Mal. Folglich heißt es: Entweder ewige Keuschheit zu bewahren, oder sich und auch der Frau natürlich volle Freiheit zu gewähren, um sich dem Genuß der Liebe und Leidenschaft voll und ganz hinzugeben.

Aber was rede ich mir nur ein, zum Teufel, fiel sich Jurii plötzlich selbst in seine Ueberlegungen: Rjäsanzew, ... ja es ist auch nicht schlimm, daß er überhaupt geliebt hat, sondern nur, daß er jetzt ruhig fortfährt, mit verschiedenen Frauen zu verkehren; das aber tue ich nicht ...

Dieser Gedanke versetzte Jurii in einen Taumel von Stolz über seine Reinheit; aber nur für einen Augenblick. Schon in der folgenden Minute erinnerte er sich wieder der gierigen Empfindung, die sich seiner bei der Vorstellung tausender, sonnenüberströmter nackter Mädchen bemächtigt hatte. Ratlos hielt er ein, völlig ohnmächtig, sich selbst zu beherrschen und das Chaos von Gedanken und Empfindungen zu meistern.

Er merkte, daß es ihm unbequem würde, auf der rechten Seite zu liegen. Mit einer ungeschickten Bewegung warf er sich herum.

— — — Im Grunde genommen, dachte er, wären doch sämtliche Frauen, die ich kennen gelernt hatte, nicht imstande, mich für das ganze Leben zu befriedigen.

— — — Nun gut, so ist eben alles, was ich echte Liebe nannte, unerreichbar und dafür zu schwärmen ist einfach dumm.