„Warum denn nicht? Das ist sehr schön!“ Sie antwortete ganz mechanisch, während sie sich im stillen wunderte, daß Jurii sie garnicht anblickte.

Jurii fühlte sich noch nach dem gestrigen Tränenausbruch Ljaljas und seinem eigenen nächtlichen Nachdenken wie zerschlagen; er war unfähig, Ljalja anzusehen. Er hatte es erwartet, daß die Schwester bei ihm Rat holen würde, fand sich aber, in seiner völligen Ohnmacht, selbst zu einer befriedigenden Lösung zu kommen, in nichts mehr zurecht. So wenig er es fertig bringen mochte, seine eigenen Worte zu widerrufen, Ljalja umzustimmen und sie wieder Rjäsanzew zuzuführen, hätte er gar ihrem naiven kindlichen Glück einen entschiedenen Schlag versetzen können.

„Also, wir haben nun folgendes beschlossen,“ fuhr Schawrow fort, indem er sich noch näher an Ljalja heranschob, als ob sich die Angelegenheit noch weiter kompliziere und verwickelter gestalte. „Wir laden Ssanina und Karssawina zum Singen ein ... Zuerst jede Solo, dann zusammen. Die eine hat einen famosen Alt, die andere einen feinen Sopran, das wird sich sehr schön machen. Nachher werde ich Geige spielen. Später muß Sarudin singen und Tanarow kann ihn begleiten.“

Ebenso mechanisch wie vorher, mit ihren Gedanken bei ganz etwas anderem, fragte Ljalja: „Werden denn die Offiziere solch ein Konzert mitmachen? ...“

„Na, gewiß doch!“ Schawrow schwenkte die Hände. „Wenn Lyda Ssanina nur einwilligt, werden die gewiß nicht zu Hause bleiben. Uebrigens liebt es Sarudin, sich überall zu produzieren, wo man es zuläßt. Wenn er nur singen kann. Und das wird uns das Regiment heranziehen; wir werden eine Einnahme haben, na einfach glänzend, wie?“

„Ja, laden Sie Karssawina ein,“ stimmte Ljalja bei und sah den Bruder mit trauriger Unschlüssigkeit an ... Er kann es doch unmöglich vergessen haben, dachte sie ... Und wie kann er sich nur über dieses törichte Konzert unterhalten, während ich ...

„Aber das schlage ich doch selber eben vor ...“ Schawrow staunte sie in höchster Verwunderung an ...

„Ach ja!“ Ljalja lächelte müde. „Nun, und Lyda Ssanina ... Ach ja doch, sie sprachen ja schon von ihr.“

Schawrow nickte eifrig mit dem Kopf: „Gewiß, gewiß! Aber wen laden wir denn noch ein? ... Wie? ...“

„Ich weiß nicht ... Ich habe Kopfschmerzen ...“