Aus dem dunklen Spiegel sah ihm wie immer ein bleiches Gesicht entgegen; Jurii aber schien es feierlich und streng. Befriedigt streckte er sich die Zunge heraus ... dabei gab er sich Mühe, sich selbst die Ueberzeugung beizubringen, daß er diesem Akte der Selbstbeherrschung keine Bedeutung beimesse und trat wieder zur Seite.

— — — Nicht mein Schicksal also, sagte er laut, und dieses Wort tröstete und ermunterte ihn. Was? ... wenn mich jetzt einer sähe, dachte er mit ängstlicher Verwirrung und schaute sich um.

Aber Alles blieb still. Hinter der geschlossenen Tür war nichts zu hören, es schien, daß es hinter den Grenzen dieses Zimmers kein lebendes Wesen mehr gäbe, daß Jurii ganz allein in unendlicher Leere existiere und leide. Er löschte die Lampe aus und wunderte sich, daß durch die Spalten der Jalousieen hellrosiges Morgenlicht ins Zimmer hereindrang.

Er legte sich schlafen, und im Traum fühlte er, daß sich eine Gestalt, die unheimlich rotes Feuer ausstrahlte, schwer und ungelenk auf ihn setze. Das ist der Teufel, zuckte es voll Entsetzen durch seine Seele.

Jurii machte krampfhafte Anstrengungen, frei zu werden. Aber der Rote ging nicht fort, sprach auch nicht, lachte nicht; er schnalzte nur mit der Zunge. Man konnte nicht erkennen, ob dieses Schnalzen spöttisch oder mitleidig klingen sollte ... Jurii verursachte diese Unsicherheit tiefe Qualen ...

XXII

Weich und liebevoll quoll die Dämmerung, von Gräser- und Blumenduft durchtränkt, durchs offene Fenster herein. Ssanin saß hinter dem Tisch und las bei den letzten Tagesstrahlen eine Erzählung von Tschechow, die er ganz besonders liebte, — — — ein alter Vikar, umringt von Menschen, umgeben von Achtung, Weihrauchdunst, umkleidet mit goldenem Talare, Brillantenkreuzen und allgemeiner Ehrfurcht stirbt — —