... Und wenn sie mir hier einen Tanz aufführen wird. — So Eine, wie sie, läßt die Geschichte nicht ruhig ablaufen ... Ich müßte doch eigentlich etwas ...
Das Gespenst eines entsetzlichen Skandals, der sich in seiner Form noch gar nicht voraussehen ließ, tauchte vor ihm auf; sein Herz begann feige schneller zu schlagen.
... Aber am Ende, fragte er sich immer, was kann sie denn schließlich tun ... Nichts! ... Dann erhellte sich etwas in seinem Hirn, alles wurde klar und einfach, und er war zuletzt überzeugt, daß nichts passieren würde.
... Sie ersäuft sich? ... Nun, mag sie der Teufel holen ... Ich habe sie auch nicht mit Gewalt zu mir hergeschleppt. Sie sagt, daß sie nicht meine Geliebte war ... Was bedeutet das viel? ... Das Ganze zeigt doch nur, daß ich ein hübscher Kerl bin. Daß ich sie heiraten werde, habe ich niemals versprochen.
... Sonderbar, bei Gott! ... Sarudin zuckte mit den Achseln; wieder legte sich in diesem Moment der trübe, bange Druck in seine Seele ... Aber doch, auf jeden Fall gibt’s Klatschereien, ... ich werde mich schon nirgends mehr zeigen dürfen ... Ein wenig zitternd führte seine Hand das Glas mit kaltem Tee zum Mund.
Er war ebenso reinlich und hübsch wie immer, aber zumute war ihm, als wenn auf ihm, auf seiner ganzen Persönlichkeit, auf dem Gesicht, dem schneeweißen Kittel, den Händen, ja selbst auf dem Herzen ein schmutziger Fleck läge, der langsam weiter um sich frißt.
... Eh, das geht schon mit der Zeit vorüber, ist ja nicht das erste Mal, tröstete er sich. Doch in seinem Innern wollte sich das unbekannte Gefühl nicht damit beruhigen lassen.
Woloschin trat ein, scharrte mit den Stiefelsohlen und zeigte nachsichtig die kleinen Zähne in einem zufriedenen Lächeln. Mit einem Mal erfüllte sich das ganze Zimmer mit dem Geruch von Parfüms, Tabak und Moschus, der den Duft des grünen Gartens und der Kühle ablöste.
„Ah, Pawl Lwowitsch,“ Sarudin erschrak etwas.
Woloschin begrüßte ihn, setzte sich ebenfalls ans Fenster und zündete eine Zigarre an. In Sarudins Augen schien er so selbstsicher, so elegant, daß dieser leichten Neid darüber empfand. Aus allen Kräften bemühte er sich, ein ebenso sorgloses und keckes Aussehen zu gewinnen. Aber seine Augen liefen die ganze Zeit ruhelos umher. Seitdem ihm Lyda das Wort Rindvieh ins Gesicht geschleudert hatte, kam es ihm vor, daß jeder Mensch davon wüßte und innerlich über ihn spottete.