Ein Abend voll seltenem Schweigen stand über der Erde; ein Abend, der aussah, als wäre er irgendwoher im Schlafe vom durchsichtigen, majestätisch prachtvollen Himmel herabgesunken. Die matte Sonne des Spätsommers war schon untergegangen und doch war es hell geblieben; die Luft hielt sich wunderbar rein und leicht. Es war trocken; nur in den Gärten fiel mit einem Mal schon starker Tau. Der Staub konnte nur mit Mühe hochgeweht werden, dann aber schwebte er lasch und faul in der Luft. Nach und nach wurde es dumpf und kühl. Ueberall drangen Töne, leicht und schnell, wie auf Flügeln getragen, vorwärts.
Ssanin ging ohne Hut in seinem blauen Hemd, das allmählich grün geworden war, durch die lange, mit Nesseln bewachsene Seitengasse, nach dem Hause, in dem Iwanow wohnte.
Dieser saß breitschultrig und ernst — seine langen Haare lagen gerade wie Strohhalme um den Kopf — am Fenster zum Garten und stopfte methodisch Tabak, der alles im Umkreis von zwei Metern zum Niesen bringen konnte, in dünne Zigarettenhülsen.
„Guten Tag!“ sagte Ssanin; er reichte Iwanow durchs Fenster die Hand. Dann stützte er sich mit dem Ellenbogen aufs Fensterbrett und schaute dem Freunde lässig zu.
„Guten Abend.“
„Ich bin heute gefordert worden.“
„Die Sache ist gut!“ meinte Iwanow gleichmütig. „Von wem und warum?“
„Von Sarudin. Ich hatte ihn aus dem Hause geworfen, folglich fühlte er sich beleidigt.“
„So, — du wirst dich also schlagen? Schön, ich werde dein Zeuge sein; mögen sie denn schon meinem teuren Freunde die Nase wegschießen.“