„Ja,“ sagte Ssanin klar und stark; er begriff tief, was aus der jungen Seele Ssoloveitschiks unsichtbar zu ihm emporstieg. „Vielleicht ist es in einem solchen Fall besser, zu sterben. Leiden ist sinnlos, und ewig leben wird ja sowieso niemand. Zu leben lohnt es sich wirklich nur für einen Menschen, der in der Tatsache des Lebens selbst einen Genuß sieht. Wer aber nur leidet und leidet, dem ist es besser, zu sterben ...“

„Das hab ich mir auch gedacht,“ rief Ssoloveitschik mit Nachdruck. Plötzlich klammerte er sich an Ssanins Hand. Es war ganz dunkel, das Gesicht Ssoloveitschiks schimmerte kaum merklich, fast bleich wie das einer Leiche, die Augen blickten aus schwarzen, leeren Höhlen hervor.

„Ja, Sie sind ein toter Mensch.“ Ssanin erhob sich, in seiner Kehle steckte ein unwillkürliches Zittern. „Und für eine Leiche ist wohl wirklich ein Grab das beste ... Leben Sie wohl, Ssoloveitschik!“

Ssoloveitschik schien nichts mehr zu hören. Er saß unbeweglich wie ein schwarzer Schatten da, mit abgestorbenem Gesicht.

Ssanin wartete noch einen Augenblick schweigend, dann drehte er sich ebenso schweigend um und ging. An der Pforte hielt er noch einmal an und lauschte. Es war alles still; Ssoloveitschik war auf der Steintreppe kaum noch zu erkennen; er zerfloß fast im Dunkeln. Eine unangenehme, bohrende Ueberlegung kroch in Ssanins Herz.

... Ganz gleich, dachte er, ob so zu leben oder zu sterben ... Es wäre auch ohne dies gekommen ... wenn nicht heute, dann morgen ...

Er wendete sich rasch um, öffnete die knarrende Pforte und ging zur Straße hinaus. Auf dem Hof war es lautlos wie früher.

Als Ssanin auf den Boulevard kam, hörte er in der Ferne unruhige, sonderbare Laute. Jemand lief schnell durch das Dunkel der Nacht, mit lärmendem Fußscharren und klagte oder weinte beim Laufen vor sich hin.

Eine schwarze Gestalt tauchte auf und stürzte immer näher und näher auf ihn zu. Aus irgend einem Grunde wurde Ssanin wieder bange zu Mute.

„Was ist los?“ fragte er laut.