„Nein, aber ich sage doch, es ist entsetzlich,“ fiel ihr Jurii mit eifersüchtigem Haß ins Wort, nachdem er einen kurzen Blick auf ihr belebtes Gesicht und ihre hohe Brust geworfen hatte.

„Warum denn? ...“ fragte Karssawina, sofort wieder schüchtern und in furchtbarer Verwirrung. Wie mit einem Hauch erloschen ihre Augen und erröteten ihre Wangen.

„Weil es für jeden andern die schwerste Qual bedeuten würde, Zweifel, Schwanken ... Der seelische Kampf müßte sich doch zeigen ... Ueber das, was geschah ... Aber bei ihm gibt es keine Spur davon ... Er ... Nun, es tut mir sehr leid, sagte er ... aber ich bin nicht schuld daran ... Handelt es sich denn nur um die eine Schuld hier in diesem Fall ... Um das direkte Recht ...“

„Um was handelt es sich denn? ...“ fragte Karssawina unschlüssig und leise mit tief gesenktem Kopf; offenbar fürchtete sie, ihn zu erzürnen.

„Das weiß ich nicht. Vielleicht ganz einfach: Der Mensch hat kein Recht, eine Bestie zu sein,“ rief Jurii scharf und herb mit einem Unterton des Leidens. Sie gingen lange schweigend. Karssawina litt unter dem Bewußtsein, daß sie sich Jurii entfremdet hatte, und für einen Augenblick das liebliche, warme Band, das sie beide tief in der Seele zusammenhielt, zerriß. Jurii fühlte selbst, daß seine Ausführungen verwirrt und unklar herauskamen; ein schwerer Nebel legte sich um sein Herz.

Er verabschiedete sich bald und ließ Karssawina in dem schmerzlichen Bewußtsein unbefriedigten Zusammenseins und unverschuldeter Kränkung zurück.

Zwar bemerkte er ihre Ratlosigkeit, aber es machte ihm, ohne daß er wußte warum, ein eigenes Vergnügen, sie verletzt zu wissen, als wenn er sich an ihr, die er liebte, für die schwere Beleidigung irgend eines Menschen rächen müßte.

Zu Hause fühlte er sich unerträglich schlecht.

Beim Abendbrot erzählte Ljalja, sie hätte von Rjäsanzew gehört, daß die Straßenjungen bei der Mühle, als man Ssoloveitschik abschnitt, über den Zaun schrien und sangen: Der Jude hat sich aufgehängt, der Jude hat sich aufgehängt ...

Nikolai Jegorowitsch brach in behagliches Gelächter aus und ließ sich den Vers von seiner kleinen Ljalka immer von neuem vorsingen: „So, also ... der Jude hat sich aufgehängt, hahaha.“