Jurii ging in sein Zimmer, setzte sich hin, um das Heft seines Schülers zu korrigieren und dachte mit unaussprechlichem Haß: Welch ungeheure Summe von Bestialität liegt doch noch immer in den Menschen. Soll man denn für dieses stumpfsinnige, dumme, rohe Pack leiden und sich opfern ...

Doch im selben Augenblick fühlte er, daß seine Gehässigkeit unschön sei; er schämte sich seiner Erregung.

... Sie haben ja keine Schuld, ... sie wissen ja nicht, was sie tun ... Aber ob sie es wissen oder nicht, ... in diesem Augenblick sind sie doch Tiere ... Er gab sich Mühe, nicht weiter darüber nachzudenken, sondern ließ wieder das Bild Ssoloveitschiks vor seine Augen treten.

... Wie einsam doch der Mensch ist ... Da hat nun dieser einsame Ssoloveitschik gelebt, hat in sich ein großes Herz, das für die ganze Welt leiden wollte, zu jedem Opfer bereit, getragen. Und niemand ... selbst ich nicht ... das durchschwirrte mit einem unangenehmen Stich seinen Kopf ... bemerkten und schätzten ihn. Man verachtete ihn fast. Und weshalb doch ... Nur weil er sich nicht zum Ausdruck bringen konnte; vielleicht verstand er es nicht. Weil er immer in Eile, eben etwas lästig war. Und gerade darin, in dieser Eilfertigkeit, dieser Lästigkeit zeigte sich doch sein heißes Bemühen, sich uns allen zu nähern, allen hilfsbereit und gefällig zu sein. Er war ein Heiliger, und wir hielten ihn für einen Toren ...

Das Schuldbewußtsein plagte ihn so stark, daß er die Arbeit beiseite schob und lange im Zimmer auf und nieder ging, ganz im Banne trüber, unlösbar schmerzlicher Gedanken. Dann setzte er sich an den Tisch, nahm die Bibel, und, sie aufs Geradewohl aufschlagend, las er wieder eine Stelle, die er sich öfter als die andern vornahm. Die Seiten waren dort zerknifft und an den Rändern abgenutzt.

„In Zufall sind wir geboren und werden später sein, wie nie gewesen; der Odem in unseren Nüstern ist Dampf und das Wort ein Funke in den Bewegungen unseres Herzens.

Wenn er erlischt, wird der Körper zu Staub verwandelt und der Geist wird zerstreut wie wehende Luft.

Und unser Name wird mit der Zeit vergessen werden und niemand erinnert sich an unsere Taten; und unser Leben vergeht wie die Spur einer Wolke und zerrinnt wie Nebel, den die Sonnenstrahlen zerstreuen und den die Wärme beschwert.

Weil unser Leben ein Gleiten des Schatten ist, und es nicht gibt für uns eine Rückkehr vom Tode, weil ein Siegel aufgedrückt ist und niemand zurückkehrt.“

Jurii brach hier ab, denn er kam an die Stelle: ... daß es keinen Sinn hätte, über den Tod nachzudenken, sondern daß man Leben wie Jugend genießen müsse. Das aber wollte er nicht begreifen; es entsprach nicht seinem krankhaften Trübsinn.