... Wie wahr, wie entsetzlich, wie unbegreiflich das ist ... Er versuchte mit aller Anspannung, sich vorzustellen, wie sein Geist nach dem Tode zerfließen würde. Aber es war ihm nicht möglich.
... Das ist entsetzlich ... Da sitze ich hier ... der Lebende ... der nach Leben und Glück Lechzende und lese mein unabwendbares Todesurteil, lese und kann mich nicht einmal dagegen auflehnen.
Die gleichen Gedanken, auch in diesen nämlichen Worten, hatte Jurii bereits vielmals durchdacht. Schon längst waren sie an ihrer eigenen Schwäche, die ihm ganz klar bewußt war, müde geworden; — es verstimmte und quälte ihn noch mehr.
Jurii griff sich in die Haare und rannte verzweifelt wie ein wildes Tier im Käfig hin und her. Mit geschlossenen Augen, unendliche Müdigkeit im Herzen, wandte er sich an irgend ein Wesen. Mit Zorn, doch ohne Kraft, mit Haß und gleichzeitig mit einer stumpfen Bitte, die er aber selbst nicht für eine solche gehalten hätte, suchte er den Menschen, der ihm helfen würde.
... Gott! ... Was hat dir der Mensch getan, daß du seiner so spottest! Warum verbirgst du dich vor ihm, wenn du in Wirklichkeit existierst. Warum hast du es eingerichtet, daß ich selbst, wenn ich an dich glauben wollte, nicht einmal an meinen Glauben glauben würde. Wenn du mir auch antwortest, würde ich doch nicht glauben, daß du es bist und nicht ich selbst. Wenn ich recht habe in meinem Verlangen nach Leben, warum nimmst du mir dann das Recht, das du mir selbst gegeben hast. Wenn du Leiden brauchst, gut, dein Wille geschehe. Wir würden sie ja aus Liebe zu dir darbringen wollen, aber wir wissen doch nicht einmal, was wichtiger ist, ein Baum oder wir. Selbst für den Baum gibt es eine Hoffnung ... Noch gefällt, kann er Wurzeln schlagen, Aeste treiben, noch einmal aufleben. Aber der Mensch stirbt und verschwindet. Wenn ich mich hinlege und nicht mehr aufstehe, so wird niemand jemals erfahren, was mit mir geschah. Vielleicht werde ich zu neuem Leben erwachen, aber ich werde doch nichts davon wissen. Wenn ich nur das Eine wüßte, daß ich erst nach Milliarden, nach Abermilliarden von Jahren wieder leben werde, so würde ich all die Jahrtausende dieser Zeit geduldig und ohne Auflehnung in der ewigen Finsternis warten ...
Und wiederum begann er zu lesen:
„Was hat der Mensch für Gewinn von all seiner Mühe, die er hat unter der Sonne.
Ein Geschlecht vergehet, das andere kommet, die Erde bleibet aber ewiglich.
Die Sonne geht auf und gehet unter und läuft an ihren Ort, daß sie wieder daselbst aufgehe.
Der Wind geht gen Mittag und kommt herum zur Mitternacht, und wieder herum an den Ort, da er anfing.