In seiner Seele wurde mit einem Mal etwas schlaff; ein Gedanke war hinuntergefallen und verloren gegangen.
„Unsinn, alles Unsinn,“ schrie Jurii laut voll Wut.
Die Lampe war fast völlig ausgebrannt. Das Licht wurde trübe und unangenehm; in der Finsternis grenzte es nur einen kleinen Kreis um Juriis Kopf ab.
... Warum starb ich nicht damals, als ich ein Kind war und an Lungenentzündung krank lag. Jetzt wäre es so ruhig um mich ...
In derselben Sekunde rückte auch schon mechanisch das Bild vor seine Augen, daß er damals gestorben wäre; er erschrak darüber so, daß in ihm alles abzusterben schien. Dann hätte ich ja auch nicht das gesehen, was ich alles noch sah, noch erlebte ... Nein, das wäre ebenso fürchterlich gewesen.
Jurii riß den Kopf in die Höhe und sprang auf:
„So kann man ja verrückt werden.“
Er schritt zum Fenster und wollte es aufstoßen; doch die Jalousie wurde von einem Bolzen festgehalten. Er nahm einen Bleistift und drückte ihn mit Anstrengung durch. Draußen dröhnte etwas stark gegen die Mauer; der Laden öffnete sich leicht, und reine, überklare Luft drang durch das Fenster hinein.
Jurii schaute stumpf auf den Himmel, auf dem schon die Morgenröte lag. Rein und kühl war der Morgen. An der einen Seite überzog sich der helle, blaue Himmel mit starkem anschwellenden Rosa ... Die sieben Sterne des großen Bären erblaßten und sanken unter. Der große, zärtlich-blaue, kristallene Morgenstern strahlte leise, mit hellem feuchtem Glanz in die aufgehende Dämmerung hinein. Scharfer, kühler Wind zog vom Osten heran, und weißer Nebeldampf schwebte in leichten gebogenen Streifen vor ihm über das dunkelgrüne, taubedeckte Gartengras. Er blieb an den hohen Winden- und Hopfengewächsen hängen; über dem kaum gekräuselten, durchsichtigen Wasser des Flusses, über den weißen Lilien, deren es so viele am Ufer gab. Der durchsichtige blaue Himmel wurde von Wolkenhäufchen, die in rosiges Feuer gehüllt waren, dicht besetzt ... einsame und fast ganz erblaßte Sterne versanken spurlos und verschwanden im bodenlosen Blau. Am Flusse tastete sich feuchter, weißlicher Nebel hoch, langsam streifenweise schwankte er über dem tiefen, kühlen Wasser, floß zwischen den Bäumen in die feuchte, grüne Tiefe des Gartens, in dem immer noch leichte durchsichtige Dämmerung herrschte. Und durch die matte Luft schien noch immer ein eigenartiger Silberlaut zu schweben.
Alles war so schön und still, als ob sich die verliebte Erde ganz entblößte, um sich auf die große, genußerfüllte Feier des Sonnenaufgangs, die noch nicht war, deren Wehen aber schon leicht und rosig über ihr zitterte, vorzubereiten.